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Ghost - Ceremony & Devotion

Ceremony & Devotion
  • VÖ: 08.12.2017
  • Label: Spinefarm/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 299

Ghost spielen mit "Ceremony And Devotion" auf Zeit. Anders lässt sich die recht hastige Veröffentlichung des ersten Livealbums der Schweden nicht erklären. Vor allem, weil es auf das verzichtet, was die Band zu einem großen Teil ausmacht: das Visuelle. Musikalisch überzeugt es aber.

Reine Livealben sind selten geworden. Das ist eine der Erkenntnisse der Diskussionen innerhalb der VISIONS-Redaktion, die kürzlich zu unserer Liste mit den 100 besten Livealben aller Zeiten führten. Im vergangenen Jahrzehnt sind Bands stattdessen vermehrt dazu übergegangen, ihre Konzerte filmisch festzuhalten. Bei Acts der Größenordnung von Iron Maiden oder Slipknot resultiert das in einer Auswertung im Kino – vor der eigentlichen Veröffentlichung auf CD und DVD. Es ist die große Frage, warum Ghost ihren Auftritt im Sommer 2017 in San Francisco, von dem die Aufnahmen auf "Ceremony And Devotion" bis auf wenige Ausnahmen stammen, nicht gefilmt haben. Selbst das Video zum ausgekoppelten "Absolution" besteht nur aus Standbildern. Eine mögliche Erklärung könnte in der Enthüllung von Tobias Forge als Sänger und Kopf der Band liegen. Der muss etwas Zeit gewinnen, um sich Gedanken über die Zukunft seiner Band zu machen, nachdem seine Identität enthüllt ist. Jetzt, wo das Geheimnis gelüftet ist, bleibt ihm nicht viel mehr als das, was Kollege Schwarzkamp „Mummenschanz“ nennt, man mit mehr Wohlwollen einfach eine gute Show nennen kann. Mit "Ceremony And Devotion" kann man sich schon mal an eine Zukunft der Band ohne Mummenschanz gewöhnen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn das Album zeigt eine überzeugende Liveband, perfekt aufeinander eingespielt. Forges Papa Emeritus lässt in seinen Ansagen durchblicken, dass er sich nur bis zu einem gewissen Grad ernst nimmt. Die Platte dokumentiert aber auch eine Show, die den Akteuren wenig Freiraum lässt. Wann Forge sich ans Publikum wendet, ist von vornherein festgelegt; sympathisch Unperfektes, spontane Reaktionen aufs Publikum sind nicht das, wofür Ghost stehen. Der schön räumliche Mix transportiert trotzdem viel Live-Atmosphäre. Die Setlist umfasst Songs von allen drei Alben der Band und der zuletzt veröffentlichten "Popestar"-EP. Vom kraftvollen Beginn mit "Square Hammer" von der angesprochenen EP bis zu den Zugaben "Ritual" vom Debüt "Opus Eponymous" und "Monstrance Clock", dem Closer auf dem zweiten Album "Infestissumam", der auch hier den krönenden Abschluss bildet, spart die Band keinen Hit aus. "Ceremony And Devotion" ist ein Schlussstrich unter die ersten zehn Jahre Ghost, in denen ihnen das Kunststück gelungen ist, geheimnisumwittert zu bleiben. Einfach so weitergehen wird es im zweiten Jahrzehnt nicht – auch darauf bereitet dieses Album vor.

Leserbewertung: 10.0/12

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