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0 Autor: Martin Burger

Phoebe Bridgers - Stranger In The Alps

Stranger In The Alps

Traurige Frau mit Gitarre, Variation 25.000. Die angenehme Wendung: Phoebe Bridgers ist eine alte Seele im Körper einer jungen Poetin.

Zugegeben, viel zu viele Singer/Songwriter behaupten von sich dasselbe. Bridgers allerdings labert nicht, sie liefert. Im Rücken weiß sie Größen des Alt-Country: Ryan Adams betreute vor zwei Jahren ihre Debüt-EP "Killer", von der zwei Songs hier in neuen Versionen vertreten sind, und auch Chelsea geisterte bereits in einem anderen Anstrich durchs Netz. Ob Klavier oder Akustikgitarre, das ist Geschmackssache, geschmackssicher jedenfalls sind die Songaufbauten der blutjungen Tourpartnerin von Conor Oberst, The War On Drugs und Julien Baker. Oberst veredelt mit seinem Gesang noch die Ballade "Would You Rather", nahe an Baker steht das paralysierte "Funeral", das genau für den titelgebenden Zweck geschrieben scheint: Was soll das ganze Selbstmitleid, wenn doch jemandes Kind tot ist? Die Individualität Bridgersʼ steckt im Detail: in den leisen Feedbacks und Beats hinter den Fensterläden der Songs und im Klangraum, den das diskrete Zusammenwirken aller Elemente öffnet, auf dass die wunderbaren Texte darin lange widerhallen. Lemmy und die Smiths tauchen da unerwartet auf, emotionale Schwindelanfälle, Entfremdungsgedanken aus dem brachliegenden Heartland, wie sie sonst nur Autor Breece D’J Pancake beschreiben konnte. "You Missed My Heart" ist ein Cover von Mark Kozelek und Jimmy LaValle und als solches kaum zu erkennen, sosehr macht es sich Bridgers zu eigen. Für die Qualität von "Stranger In The Alps" spricht aber vor allem die Tatsache, dass der unbestrittene Glanzpunkt "Scott Street" bis jetzt gar nicht zur Sprache kommen musste.

Bewertung: 9/12

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