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0 Autor: Britta Helm

Girlpool - Powerplant

Powerplant

Große Gefühle brauchen eine große Besetzung: Harmony Tividad und Cleo Tucker erweitern ihren Lofi-Sound um einen ganzen Schlagzeuger zum Indiepop.

Inhaltlich trägt Miles Wintner nicht viel zu den Geschichten über verträumte Chancen und verknallte Hoffnungen bei, die Girlpool schon vor zwei Jahren ähnlich schön auf ihrem Debüt "Before The World Was Big" erzählt haben; musikalisch ist aus dem Kinderzimmerduo eine Band geworden. "Powerplant" klingt warm und voll, wo sein Vorgänger spärlich blieb; Tividad und Tucker haben nach zwei Umzügen von Kalifornien weg und wieder zurück das träge Sonnen für sich entdeckt. Der hymnische Opener "123" ist der Song, den P.S. Eliot eigentlich noch schreiben wollten: perfekt tragisch, trotzig und 90er und sehr, sehr liebenswert. Das freundliche "Corner Store" hüpft nach der Hälfte von anderthalb Minuten plötzlich gegen eine Noisewand, um dann unberührt weiter zu hüpfen. "Fast Dust" ist der niedlichste atmosphärische Drogensong aller Zeiten. So fein kann sich Indiepop anhören, wenn man ihn nicht überlädt, sondern nur die Gitarren ein klein wenig aufpolstert, die Percussion durch jemanden ersetzt, der die Arme dafür frei hat, und zwei harmonische Stimmen noch müheloser harmonieren lässt. Girlpool singen immer noch hoch und murmelig wie Kinder, die am Samstagnachmittag auf dem Wohnzimmerteppich liegen und Zeichentrickserien gucken, selbst wenn Songs wie "Soup" oder "It Gets More Blue" dazu richtig traurigen Folk spielen: "The nihilist tells you that nothing is true/ I said I faked global warming just to get close to you". Wenn schon alle alten Serien neu aufgelegt werden, nur "My So-Called Life" nicht, ist "Powerplant" das Nächstbeste.

Bewertung: 9/12

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