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0 Autor: Markus Hockenbrink

Mark Lanegan - Gargoyle

Gargoyle
  • VÖ: 28.04.2017
  • Label: Heavenly/Pias/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 290

Wenn man überall da war, wo Mark Lanegan morgens schon besoffen aufgewacht ist, hat man vermutlich genug von der Welt gesehen, um nie wieder überrascht zu werden.

Das gilt dann irgendwann natürlich auch für den Screaming-Trees-Sänger, der seit spätestens 1996 so klingt, als komme er gerade vom Leichenvergraben zurück. Seine Songs handeln in der Regel von Jesus' Abwesenheit und der Anwesenheit harten Alkohols, manchmal geht es auch um Frauen und 2012 sogar einmal um Weihnachten ("Dark Mark Does Christmas"). Apropos: Wenn es stimmt, dass Frauen Männergesichter mögen, die aussehen wie Landkarten von den Anden, könnte "Gargoyle" auch ein guter Tinder-Name für den mittlerweile bebrillten Lanegan sein. Die zehn neuen Songs auf der Platte machen allerdings, auch ohne dass man die Augen zusammenkneift, den Eindruck, dass man sie möglicherweise schon einmal gehört haben könnte. Poppige Momente wie "Emperor" machen am meisten Spaß, gefolgt von leicht glamigen Salon-Blues-Stücken à la "Nocturne". Auf den getragenen Stücken "Goodbye To Beauty" und "First Day Of Winter" kann es auch schon mal etwas beliebiger werden, aber wenn man mit einer Stimme gesegnet ist, mit der man im Prinzip auch die Kotztüte im Flugzeug singen könnte, muss man nicht immer so auf das Quellmaterial achten. Der beste Song ist eh der letzte: "Old Swan" dauert sechseinhalb Minuten, hat einen merkwürdig treibenden Drumcomputerbeat und lässt Lanegan so klingen, als ob er sich jetzt doch noch davonmachen würde aus seinem gemütlichen Jammertal. Sein alter Kumpel Greg Dulli soll sogar gesagt haben, das ganze Album klinge für seine Verhältnisse verdächtig nach guter Laune – den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Bewertung: 7/12

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