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Conor Oberst - Salutations

Salutations

Vier-Ohren-Test

Erst solo, jetzt mit Band: Conor Oberst spielt mit mehr Schwung als zuletzt Bar-Folk und Songwriter-Indie. Zunächst wirkt es leicht schal, dass Oberst mit "Ruminations" erst ein enorm bewegendes, angenehm reduziertes Songwriter-Album in bester 60s-Troubadour-Tradition veröffentlicht und ein halbes Jahr später eine Full-Band-Version derselben Platte auf den Markt bringt. Der Blick auf die Tracklist offenbart allerdings, dass es sich bei "Salutations" um eineinhalb Platten mit sieben komplett neuen Songs handelt, die mehr nach Hymne und Aufbruch als Einsamkeit klingen. Die neuen Tracks wie das kräftig mit Akkordeon akzentuierte "Too Late To Fixate" und das zwischen rootsigen Gitarrenlicks und flächigem Orgeleinsatz dahinschwofende "Overdue" klammern sich mit einer Hand an die Bar und mit der anderen ausnahmsweise an Schnaps statt Rotwein. Auch die für seine Backing-Band adaptierten alten Songs wie "Gossamer Thin" oder "Till St. Dymphna Kicks Us Out" leiden weniger, als dass sie eine zwar melancholische, aber grundsätzlich ans Licht strebende Stimmung aufbauen. Entsprechend klingt auch Obersts Stimme nicht ganz so brüchig und angegriffen wie zuletzt, sondern so, als hätten ihm seine Mitmusiker und Gäste wie die Felice Brothers neue Kraft eingeimpft. Eine Platte wie eine Funktionsjacke: Nicht spektakulär und schon gar nicht übermäßig sexy, aber enorm vielseitig – und das Gegengift für alle, denen Oberst zuletzt allzu sehr auf Dylan gemacht hatte.
8/12 Florian Zandt

Sterbensöde: Salutations markiert die endgültige Dylanisierung eines entthronten Wunderkindes. Die Vorzeichen standen gut: Conor Oberst veröffentlicht die Demos zu seinem achten Album "Salutations" und kündigt an, die Songs für die finale Fassung mit einer vollen Band im Rücken ausarbeiten zu wollen. Die Demos gefielen, und wenn sich schon die Songs in skelettierter Form so prima machen, was sollte dann noch dem neuen Meisterwerk, auf das man seit dem Aus von Bright Eyes hofft, im Weg stehen? Höchstens wohl er selbst, und um es abzukürzen: Auch Salutations ist nicht das mitreißende Kreativkunststück von Album, wie es sich Oberst vor anderthalb Jahrzehnten aus dem Arm geschüttelt hätte. Und geschüttelt hat: Seine Band Bright Eyes betrieb er schon als Teenager, und als sie 2002 ihr kaum zu übertreffendes (und später doch übertroffenes) Album "Lifted Or The Story Is In the Soil, Keep Your Ear To The Ground" veröffentlichten, war er zarte 22 Jahre alt. Die Indie-Welt lag dem Wunderkind zu Füßen. Heute wäre es ein Wunder, wenn Oberst seine Platten selbst noch hören wollte. "Salutations" markiert den traurigen Höhepunkt der Schnarchnasigkeit im Schaffen des Songwriters – was paradoxerweise in der Bandausführung viel stärker zum Tragen kommt als bei den Demos. Vielleicht bekommt ihm einfach die Gesellschaft anderer Musiker nicht. Vielleicht möchte er sich aber auch nur als Erbe des einen empfehlen. Für den Fall: Bob Dylan erfreut sich bester Gesundheit, und das darf auch lange so bleiben.
5/12 Dennis Plauk

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