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0 Autor: Christian Wiensgol

Wild Pink - Wild Pink

Wild Pink

Nur eineinhalb Jahre nach ihrem Debüt spielen Wild Pink ihren Indierock-Eskapismus für Tagträumer noch ein bisschen schöner.

"I thought I’d never get out", singt John Ross an der am meisten nachhallenden Stelle des zweiten Albums von Wild Pink. In diesem sehnsüchtigen Moment des Songs "Lake Erie" geht es unter anderem um Stadtflucht – musikalisch so wunderbar zeitlos umgesetzt, dass Tom Petty anerkennend nicken würde. Dazu passen die allgegenwärtigen Naturbezüge und auch die Herkunft der Band. Wild Pink entsprechen so gar nicht dem Bild, das alle Welt von Brooklyn hat. Das Trio klingt mit jedem Gitarrenanschlag so, als wolle es fliehen – vor der Schnelllebigkeit, den bitteren Wahrheiten unserer Zeit, aber nicht vor der Verantwortung. Ross singt vom Verlust geliebter Menschen, von Neurosen, die auf Tumblr ausgepackt werden, und vom großen Ganzen ("Now there’s a war on all life on earth") und sagt, auf dem Album gehe es darum, etwas Verletzliches zu schützen. Auch vor dem bösen Wolf, dessen Fell nach Angriffslust stinkt, wie der Titelsong es darstellt. Wild Pink sind aber nicht die Art Menschen, die in die Ecke getrieben zur Waffe greifen und rotsehen. "Yolk In The Fur" bricht nicht aus, greift nicht an. Es sieht dem Wolf in die Augen, nimmt einen tiefen Atemzug Luft und beruft sich auf die Menschlichkeit, die im meist unverzerrten Indierock mit viel Americana-Anleihen und ein wenig Elektronik ihre unmittelbare Umsetzung findet. Das erinnert an Tom Petty, an The War On Drugs, Wintersleep und Death Cab For Cutie, wegen Ross’ Stimme und seinen sehnsuchtsvollen Melodien vor allem aber an Band Of Horses. Nur nicht an Brooklyn.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 1.0/12

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