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0 Autor: Martin Burger

Aeges - Weightless

Weightless

Was der alles kann! Kemble Walters gelingt mit dem dritten Album seines Alternative-Stoner-Outlets Aeges gleichzeitig eine Zusammenfassung seiner bisherigen Projekte und eine Weiterentwicklung zu noch detailreicherem Songwriting.

Walters hat unter anderem in zahllosen indonesischen Highschool-Bands, bei den texanischen Posthardcore-Metallern The Rise und als Teil von Juliette Lewis’ Begleitrockern The Licks Erfahrungen gesammelt. Die zwei Alben "You’re Speaking My Language" und "Four On The Floor", die er mit Lewis eingespielt hatte, bevor die Omar Rodriguez-Lopez engagierte, sprühten nur so vor tanzbar-dreckigem Rock’n’Roll. Zu verdanken hatten sie das auch Walters’ Fähigkeiten als Multiinstrumentalist, vor allem aber seinem zupackenden Gitarrenspiel. Weil der Alleskönner damit nicht ausgelastet war, zog es ihn danach gleich zu zwei Bands: Seinen eigenen Blank Faces, mit denen er melancholischen Indierock spielt, und eben Aeges, bei denen er in Cory Clark offenbar einen gleichwertigen Sparringspartner gefunden hat. Nur so lässt sich erklären, warum er hier auf Albumlänge regelmäßig zu Höchstleistung aufläuft. Zuletzt auf dem Vorgänger "Above & Down Below", seinerzeit ebenfalls unter unseren Schönheiten. Doch diesmal bleibt das Unten, wo es hingehört – dieser Trip findet dort statt, wo die Luft dünn wird, und er wird angetrieben von dreizehn Nachbrennern, die den Namen verdienen. Zugegeben, das Tempo ist etwas niedriger als bei Walters’ anderen Projekten, das liegt aber nur am schweren Gepäck im Frachtraum. Die Riffs sind unverbraucht, klug gesetzt und ergeben mit dem Hintergrundgesang eine Wechselwirkung, mit der die Dynamikkurve exponentiell steigt. "Echoes" etwa klang als Start in "Above & Down Below" eigentlich schon vollendet, in der Version mit Chor entfaltet das Stück erst sein volles Potenzial. Überm Durchschnitt agiert die Band auch gleich darauf in der Single "Another Wasteland". Wenn der Gesang im Refrain kurz zu kippen droht, dann ist das keine Pose, sondern nur der Moment, auf den der Song unaufhaltsam hin walzt, weil es alle Beteiligten so wollten. Sei es, indem sie Trail-Of-Dead-Tricks anwenden wie die zweimalige Wiederholung des Strophe-Refrain-Schemas, nur um im Mittelteil vollends zu eskalieren, oder bei Gegenüberstellungen wie dem noisigen Zwischenspiel im ansonsten sauberen "All Of Me". Unschuldig dreinblickend stehen da Nadelstreifenträger und Gossenjunge für die ganze Welt sichtbar nebeneinander. Eigentlich klar, dass da Zeugen nur schwerlich mit dem Finger auf den einen Schuldigen deuten können. Was sie nicht wissen: Die beiden sind Komplizen.

Leserbewertung: 11.0/12

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