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0 Autor: Ingo Knollmann

Elliott Smith - Figure 8

Figure 8
  • VÖ: 18.04.2000
  • Label: Dreamworks/Motor/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 86

Verschwörungstheorien gibt es im Musikbusiness einige. Elvis ist von Außerirdischen entführt worden, Courtney Love hat Kurt Cobain auf dem Gewissen und so weiter. Mit "Figure 8" fällt mir gleich noch eine weitere ein.

In Wahrheit hat nämlich Elliott Smith John Lennon umgebracht und sich dessen hinterlassene Kompositionen unter den Nagel gerissen. Ist natürlich an den Haaren herbeigezogen, aber machen wir uns nichts vor - im Falle von Elliott Smith haben wir es mit einem unglaublich talentierten Lümmel aus der letzten Bank in der Post-Beatles-Schule zu tun. Smith ist die amerikanische Institution in Sachen Singer/Songwriter-Musik und das kommt nicht von ungefähr. Der Tausendsassa aus Portland, Oregon, kommt auf seinem neuen Album dermaßen verlebt und ehrlich rüber, dass er bereits mit dem Opener "Son Of Sam" alle Sympathien auf seiner Seite hat. Mann, der Kerl schmeißt hier mit tollen Kompositionen nur so um sich, die allesamt als bestes Beispiel für perfekten Pop durchgehen. Die Singer/Songwriter-typische Akustikgitarre ist auf "Figure 8" lediglich ein Startpunkt für die Vertonung kleiner und großer Geschichten aus dem Alltag. In Verbindung mit einem Klavier, ein paar Country-Licks und einem mitunter einfach genialen, weil genial einfach produzierten Schlagzeug ergibt sich eine Songdichte, welche den Hörer am Morgen sanft aufweckt und bereits in der nächsten Minute mitreißt wie eine Tasse tiefschwarzer Kaffee. Ähnlich wie bei umjubelten Vorgängeralben à la "XO" oder "Either/Or" geschehen hier musikalisch betrachtet so viele interessante Dinge mit so kleinen Mitteln, dass man es hier wirklich mit einer der reinsten Formen von Musik zu tun hat. Elliott Smith hat es definitiv nicht nötig, sich hinter einer Bombast-Produktion mit vielen Effekten zu verstecken. Warum auch, wenn man mit Attitüde und einer so wundervollen Stimme selbst den größten Effekt erzielen kann? Die Abbey Road Studios waren schon eine verdammt clevere Wahl. Von diesen 16 Songs kann man sich gleichzeitig verzaubern und belehren lassen. Eine kleine, ganz große Platte.

Leserbewertung: 9.8/12

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