Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Martin Burger

Yeasayer - Amen & Goodbye

Amen & Goodbye

Authentizität im Artifiziellen, das klingt zunächst widersprüchlich, hat bei Yeasayer jedoch Methode. Das vierte Album der Brooklyner ist ein Remix ihrer selbst, so abstrakt und hell ausgeleuchtet wie eine moderne Installation.

Erkämpft allerdings mit Verlusten. Die Arbeiten fanden in Upstate New York auf einer abgeschiedenen Farm statt, im Gegensatz zum Vorgänger "Fragrant World" (2012) kam eine Tapemaschine zum Einsatz. Auf der Suche nach Field Recordings dann das Dilemma. Ein leichter Schauer mutierte zum Wolkenbruch, das Dach der Hütte hielt nicht stand und der eingedrungene Regen beschädigte alle Aufnahmen massiv. Geschichten von verlorenen Alben gibt es viele. The Who und ihr "Lifehouse" etwa, oder "Smile" von den Beach Boys. Doch anstatt alles zu verwerfen, liehen sich Yeasayer von Letzteren den Harmoniegesang und machten aus der Not eine Tugend. Die geretteten Tapes nahm Joey Waronker (Atoms For Peace, Beck) in die Hand und lötete die Einzelteile zu einem schmucken Artpop-Ungetüm zusammen. Natürlich ist das ebenso konstruiert wie poppig, bei "Silly Me" und "Dead Sea Scrolls" besonders, schlägt aber gleichzeitig exotische Haken. Der Ethno-Touch steht "Half Asleep" gut zu Gesicht und selbst Songs zum Luftholen wie "Prophecy Gun" wohnt ein unsteter Geist inne. In einem anderen Kontext ginge einem das gehörig auf die Nerven, hier passt es wie die Mango zur Lassi. Dennoch: Im Schatten der kunstvollen Skulpturen "I Am Chemistry" und "Uma" treibt es ein überkostümierter Karneval der Möglichkeiten allzu bunt und schwingt so lange das Tanzbein, bis ein zwar angenehmer Schwindel zurückbleibt – bloß mit beiden möglichen Bedeutungen des Begriffs.

Bewertung: 8/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.