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Elliott Smith - Heaven Adores You (DVD)

Heaven Adores You (DVD)

Diese einfühlsame Dokumentation über das zu kurze Leben von Singer/Songwriter Elliott Smith hat nur eine Schwäche: Sie spart die düsteren Stunden aus.

Regisseur Nickolas Rossi wollte den Mythos des ewig tragischen, von Depressionen und Drogen zerrütteten Songwriter-Genies offenbar nicht weiter befeuern, sondern ihm den Menschen Steven Paul "Elliott" Smith entgegenstellen. Nur zu Beginn sieht es so aus, als würde "Heaven Adores You" ein Rührstück werden, als der Film mit den beiden bekanntesten Fixpunkten aus Smiths Werdegang beginnt: seinem Auftritt 1998 bei den Oscars, wo der Musiker im weißen Anzug mit seinem Good Will Hunting-Song "Miss Misery" Hollywood und die zugeschaltete Welt zu Tränen rührte. Und seinem viel zu frühen Tod im Jahr 2003, als Smith an zwei vermutlich selbst zugefügten Messerstichen mit nur 34 Jahren starb und unmittelbar zur Legende wurde. Nachdem der Film diese Biografie-Brocken aus dem Weg geräumt hat, schlägt er jedoch einen fast phlegmatischen Ton an, der dem introvertierten, aber warmherzigen Sonderling Smith wohl entsprochen hätte: Anhand langsamer, meditativer Bilder aus den drei prägenden Wohn- und Wirkungsorten in Smiths Leben – Portland, New York und Los Angeles – zeichnet "Heaven Adores You" den Lebensweg des Musikers nach. Rossi geht es dabei weniger um die musikalische Analyse, Smiths Soloalben und jene mit seiner Alternative-Band Heatmiser sorgen eher für zeitliche Orientierung. Stattdessen steht der Mensch hinter den Songs im Fokus, den einem vor allem die Interviews nahe bringen. Sämtliche Weggefährten sprechen so dankbar und voller Zuneigung über Smith, dass man als Zuschauer schnell ahnt, warum dessen Musik bis heute etliche Hörer tief berührt. In alten Interviews kommt Smith auch selbst zu Wort, Rossi hat außerdem nie zuvor gesehene private Filme und Bilder beschafft – allein die Kinderfotos eines fröhlich lächelnden Elliott Smith korrigieren das Bild vom traurigen Außenseiter nachhaltig. Zudem ist rund die Hälfte der Songs im Film ebenfalls erstmals zu hören, viele davon sind frühe Versionen späterer Albumstücke. Schade nur, dass der Film gegen Ende seinen Protagonisten um jeden Preis schützen will: Nur vage lässt Rossi die Interviewten von "Substanzen" sprechen, derentwegen Elliott Smith sich von seiner Umwelt entfremdet habe. Das ganze hässliche Ausmaß von Smiths Heroinsucht, die nach der Tour zu "Figure 8" (2000) in Verfolgungswahn, Selbstmorddrohungen und abgebrochenen Albumaufnahmen mündete, verschweigt der Film jedoch bewusst. Dennoch: "Heaven Adores You" ist dank seines mitfühlenden Grundtons der bessere "Cobain: Montage Of Heck."

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