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0 Autor: Christian Wiensgol

Against Me! - 23 Live Sex Acts

23 Live Sex Acts

Persönliche Veränderungen rechtfertigen noch kein Live-Album. Es sei denn, damit geht ein musikalischer Reboot einher, der sich vor allem auf der Bühne zeigt.

Mit "New Wave" war die kleine Anarcho-Band Against Me! 2007 in der oberen Rock-Liga angekommen, mit "White Crosses" (2010) auf dem Sprung ins Stadion. Passend zu beiden Alben waren die damaligen Konzerte perfekt produziert. Aber auch angeführt von einer Person, die müde wirkte und – wie wir heute ansatzweise wissen – einen inneren Kampf ausfocht und sich in Alkohol flüchtete. Ein Leben später steht Laura Jane Grace als True Trans Soul Rebel auf der Bühne. Frotzelnd, kampfeslustig und sichtlich glücklich. Ein bisschen so wie ganz früher, als die Leidenschaft wichtiger als die Performance war, nur dass heute eine All-Star-Rhythmusfraktion aus Inge Johansson von der Noise Conspiracy und Schlagzeug-Allrounder Atom Willard gut geölt den Takt vorgibt. Ins Stocken kommen sie nur, wenn Grace fluchend auf einen Security einredet, der einen Zuschauer rauskomplimentiert. Dass die Band danach nicht neu ansetzt, sondern zum nächsten Song übergeht (oder, dass sie überhaupt diesen Take von "New Wave" und nicht die Version irgendeines anderen Abends der letztjährigen Tour für die Platte genommen hat), stört den Fluss beim Hören, macht aber den Punk-Charme von "23 Live Sex Acts" aus. Wie schon das erste Livealbum "Americans Abroad"... ist es vor allem eine Bestandsaufnahme (untergebracht auf zwei CDs oder drei LPs), funktioniert dank hervorragender Setlist aber auch als Werkschau, bei der neben den neuen Songs und den Hits der Anarcho-Tage vorteilhafterweise nur wenig Platz für die Kurz-vor-Stadion-Phase bleibt.

Leserbewertung: 8.0/12

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