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Spidergawd - II

II
  • VÖ: 16.01.2015
  • Label: Crispin Glover/Soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 262 - Schönheit der Ausgabe

Weil das Debüt von Spidergawd, dem Zeitvertreib des Motorpsycho-Bassisten und -Schlagzeugers, bei uns ein halbes Jahr später als in Norwegen veröffentlicht wurde, gibt es schon jetzt eine Fortsetzung. Die enthält perfekte Songs zwischen altem Blues, MC5-Protopunk und Thin-Lizzy-Hymnenhaftigkeit.

"Weil wir eine Rockband sind, die versucht, in den Fußstapfen von MC5 zu wandeln, wäre es falsch, wenn wir ewig an den Songs arbeiten würden, bevor wir sie aufnehmen", erklärt Bandchef, Sänger und Gitarrist Per Borten. Die Songideen bringt Borten mit. Die anderen addieren ihre Signatur. Wenn Bassist Bent Sæther auch eine wichtige Funktion einnimmt, weil er "der Typ ist, der eine interessante Meinung zu allem hat. Mal abgesehen davon, dass der individuelle Stil eines jeden sehr wichtig ist. Du findest heute keinen Schlagzeuger mehr, der so spielt" wie der unfassbare Kenneth Kapstad. "Oder jemanden, dem es Vergnügen bereitet, nächtelang Bariton-Saxophon zu spielen, als sei es eine verzerrte Gitarre." Das macht Rolf Martin Snustad, der sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern oft nur Gitarrenriffs und Bassgrooves ergänzt. Diesmal hat Borten für seine Texte sogar mit dem amerikanischen Poeten Matthew Burt gearbeitet, der in Trondheim lebt. Dass Spidergawd mit dem Blues liebäugeln, zeigt schon das akustische Intro zu "...Is All She Says", bis die E-Gitarren und das Schlagzeug diesem Skelett den Boden unter den Füßen wegziehen. Drei Songs später widmet sich die Band dann mit dem "Fixing To Die Blues" einem Uraltklassiker von Bukka White. Das ist dem Umstand geschuldet, dass Borten großer Fan ist. "Der echte alte Blues – bevor ihn britische Idioten wie Eric Clapton ruiniert haben – hat eben alles, was jeder, der Blues spielt, für sich beansprucht: Seele und Gefühl." Die sich aufdrängende Vermutung, dass das abschließende "Sanctuary" ein Tribut an Thin Lizzy ist, trifft ins Schwarze. "Es ist der einzige Song, den ich wirklich mit Bent geschrieben habe. Es ist schwer, so einen angemessen umzusetzen, weil er beinahe ein Coversong ist. Er ist da, um dem Album einen glücklichen Ausklang zu geben – denn es kann eine Menge Spaß machen, gemeinsam in einer Rock’n’Roll-Band zu spielen." "II" erscheint übrigens – so wie das Debüt – nur auf 180 Gramm schwerem Vinyl. Die CD ist reine Dreingabe. "Wir wollten nicht das Artwork von Emile Morel auf CD-Format runterstufen. Denn damit wollen wir doch angeben." Wer von dem bemerkenswerten Veröffentlichungsturnus überfordert ist, der kann sich zurücklehnen: Album Nummer drei soll schätzungsweise erst im nächsten Herbst aufgenommen werden. Die ersten Ideen stehen trotzdem schon.

Leserbewertung: 12.0/12

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