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0 Autor: Toby Schaper

Raised Fist - From The North

From The North

Manischer Hardcore aus dem hohen Norden, der leider nicht durchweg die Energie früherer Alben einfängt, aber noch immer durch Originalität überzeugt.

Wenn eine Band aus der nordschwedischen Kleinstadt Lulea amerikanischen Youth-Crew-Hardcore adaptiert, befürchtet man zunächst ein ähnliches Desaster wie bei Clawfinger, die sich einst an US-HipHop-Crossover versuchten. Doch es kam anders: Zwar hörte man den 1993 gegründeten Raised Fist die Einflüsse von Gorilla Biscuits und Sick Of It All zu Beginn noch deutlich an, sie umgingen aber die textlichen Stereotypen und brachten mehr und mehr nordische Melancholie in ihren vordergründig aggressiven Sound ein. Zwei Alben stechen dabei besonders hervor: Das erbarmungslos durchgeballerte "Ignoring The Guidelines" (2000) und "Sound Of The Republic" (2006), auf dem erstmals Dark-Funeral-Schlagzeuger Matte Modin zum Einsatz kam, der das Soundbild um Blastbeats erweiterte. An beide Alben reicht "From The North" nicht ganz heran. Vergleichsweise zahm wirkt die Platte zunächst, zu Groove-orientiert und Midtempo-lastig. Zudem fehlt der erdrückende Bombast, die meterhoch gestapelten Gitarrenschichten, die "Sound Of The Republic" oftmals in die Nähe von Noisecore und Industrial rücken. Erhalten geblieben ist jedoch der harmonische Ansatz: Durch den manischen Schreigesang von Alle Hagman, der in seiner monotonen Durchschlagskraft an SOIAs Lou Koller oder Daryl Taberski von Snapcase auf Steroiden erinnert, bleibt viel Raum für die Gitarren, die darunter ein hochmelodisches Bett legen und für verblüffende Eingängigkeit sorgen. Genau dieser Kontrast macht Raised Fist einzigartig, und da sich "From The North" seine drei herausragenden Songs für das Finale aufhebt, sollte am Ende jeder Fan mit der Platte versöhnt sein.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 12.0/12

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