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Mark Lanegan - Phantom Radio

Phantom Radio

Auf "Phantom Radio" versucht Mark Lanegan sich selbst gegen den Strich zu besetzen. Mit Hilfe einer App sind dabei Songs entstanden, die man nicht für voll nehmen kann.

Mark Lanegan hat ein Problem, das zugleich sein Alleinstellungsmerkmal ist: Seine markante Stimme, die über Wiedererkennungswert, große emotionale Tiefe und Geschichte verfügt. Diese Geschichte schleppt Lanegan immer mit sich herum – wenn er für das Electronica-Duo Soulsavers den Blues in ein neues Genre überführt oder mit The Gutter Twins kraftvoll rockt. Wie ein Schauspieler wird Lanegan meist für die gleiche Rolle besetzt, deshalb scheint sein Bedürfnis groß zu sein, mit "Phantom Radio" aus diesem Korsett auszubrechen. Unterstützt von der App "Funk Box" landet Lanegan bei einem Sound irgendwo zwischen Depeche Mode und New Order. Das geht mal gut, wie in "Floor Of The Ocean", wirkt aber zumeist bemüht bis – leider – lachhaft. Dazu kommt, dass man Lanegan seine Geschichten aus den dunkelsten Ecken des Blues nicht abnehmen will. Bestes Beispiel "The Killing Season" – seifiger Electro-Pop, dessen "funky" Beat im völligen Kontrast zum Text des Songs steht. Man ist gewillt zu glauben, Lanegan hätte sich damit einen einmaligen Spaß erlaubt. Dabei zerstört die flapsige Produktion auch den düsteren Soul in "Seventh Day". Mit "I Am The Wolf" – eine Feststellung, die Lanegan nicht betonen müsste – biegt das Album in seine bessere Hälfte ein. "Waltzing In Blue" wäre auf dem Mad Season-Album mit Layne Staley ein Highlight gewesen, würde es darin nicht diesen trancigen Keyboard-Sound geben, für den sich selbst Tiesto zu fein wäre. Die Zweifel zu zerstreuen, dass Lanegan sich mit diesem Alben nur ein Späßchen erlaubt hat, schafft aber auch dieser Song nicht.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 8.6/12

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