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0 Autor: Toby Schaper

Rival Sons - Great Western Valkyrie

Great Western Valkyrie
  • VÖ: 06.06.2014
  • Label: Earache/soulfood
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 255 - Schönheit der Ausgabe

Die kalifornischen Led-Zeppelin-Epigonen haben die 70er in eine leidenschaftliche Platte gepresst.

Gary Moore hatte auf seinem 1991er Album After The War mit Led Clones einen Song über Bands, die ihre gesamte Karriere auf den Ideen von Led Zeppelin aufgebaut haben. Gemeint waren damals im Wesentlichen die heute vergessenen Kingdom Come. Dieser Tage hätte der Ire im Zuge des Classic-Rock-Revivals noch einige Zielscheiben mehr. Zum Beispiel auch Rival Sons, die seit mittlerweile vier Platten den ingeniösen Briten huldigen. Allerdings wäre es unfair, sie dafür zu verurteilen. Denn Rival Sons haben nicht nur das Soundbild von Page, Plant, Jones und Bonham übernommen, sondern auch deren Eklektizismus: Led Zeppelin waren nie nur eine Hardrock Band, sie waren ebenso eine Blues-, eine Folk-, eine Soul- und eine Psychedelic-Band – und das jeweils auf höchstem Niveau.

All diese Elemente finden sich auch auf Great Western Valkyrie. Zudem hatten Led Zeppelin ein stark sexuelles Moment, was sich vor allem im lasziven Gesang von „Backdoor-Man“ Robert Plant niedergeschlagen hat. Auch hier muss sich Rival-Sons-Sänger Jay Buchanan nicht verstecken, wenn er im fiebrigen The Rich And The Poor verführerisch ankündigt „I’m gonna show you how babies are made“, glaubt man, dass es nicht nur beim Versprechen bleibt. Aber Rival Sons können sich auch zurücknehmen: Der betörende Slow-Jam Good Things klingt so abgehangen, wie es eigentlich nur alte Männer hinbekommen und das finale Destination On Course ist ein Ritt durch alle Spielarten der 70er, schraubt sich von leisem Wimmern zu bombastischen Uriah-Heep-Chören hoch, verzichtet auf einen offensichtlichen Refrain und könnte gerne noch zehn Minuten länger sein.

Doch nicht nur Altrocker werden an "Great Western Valkyrie" ihre Freude haben, auch die durch Jack White oder die Black Keys konditionierte Jugend dürfte zu den feisten Grooves von Electric Man oder Secret mit Freude die Hüften schwingen. Grundsätzlich verhalten sich Rival Sons in etwa zu Led Zeppelin wie Orchid zu Black Sabbath – sie verwalten deren Erbe geschmackvoll und stilsicher, und schreiben faszinierend gute Songs, allein die abgründige Aura der Vorbilder fehlt ihnen. Wer sich über die fehlende Originalität von jüngeren Classic-Rock-Bands beschwert, sollte im Kopf behalten, dass es eben nur eine handvoll Hardrock-Bands gibt, die alles erfunden haben und auf die sich heute alle beziehen. Kämen moderne Einflüsse hinzu, wäre es schließlich kein Classic Rock mehr. Hier geht es nicht um Originalität, sondern um Musikalität und Gefühl, und davon werfen Rival Sons eine Menge in die Waagschale.

Leserbewertung: 10.2/12

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