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0 Autor: Markus Hockenbrink

Metz - Metz

Metz

Auf dem Cover der Metz-LP sieht man jemanden auf einem Aktenordner schlafen. Auf der Rückseite wird ein Mann von einem Drumkit begraben. Die Platte erläutert sehr schön, wie man von A nach B kommt.

Wenn Metz eine deutsche Promille-Punkband wären, gäbe es an dieser Stelle alberne Wortspiele ("metzelnde Metzger" etc.) und ein großes Hurra auf die Fußgängerzone von Wuppertal. Weil Metz allerdings aus Kanada kommen und mit Dosenbier (eventuell) nichts am Hut haben, müssen andere Saiten aufgezogen werden. Metz machen die Art Lärm, für die man entweder lange Erklärungen oder gar keine braucht. Drei Typen, drei Instrumente, das macht zusammen höchstens zwei Akkorde und zwei Hände frei fürs aggressive Nasebohren. Die zehn Songs ihres schlecht gelaunten und hervorragend gespielten Noiserock-Infernos gehen von der festen Überzeugung aus, dass Gitarre und Waschmaschine Erfindungen sind, die gleich gut klingen, und von denen genau deshalb eine überflüssig ist. Die Vocals spielen sich ausnahmslos während des Schleudergangs ab, anhand der Songtitel kann man erahnen, dass es dabei um die Reise von "Wasted" über "Nausea" bis hin zu "Headache" geht. An Takt- und Melodiefront Dekonstruktives. Was Metz dabei so bewundernswert macht, ist die instinktsichere Ausbeute von formidablem Live-Krach, der am roten Faden genäht ist, und einer kopfhörerfreundlichen Lärmmalerei, die man wahlweise mit Kunst oder mit den garstigen Momenten von Sonic Youth verwechseln könnte. Früher hatten solche Platten Cover aus Schmirgelpapier, heute geht es subtiler zu. Metz bieten Tabula Rasa mit ästhetischem Hintergedanken, Punkrock ohne doofen Punkrock und stilistisches Korsett. Crash and burn!

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 12.0/12

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