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0 Autor: Markus Hockenbrink

Kate Nash - Girl Talk

Girl Talk

Wenn die Kandidatinnen bei Germany’s Next Top Model penetrant als „Mädchen“ bezeichnet werden, ist Kate Nash nicht die einzige, die sich an die Stirn klatscht. Sie tut es nur ein bisschen lauter und pointierter.

Da kann sich der sogenannte Indierock ruhig mal an die eigene Nase fassen: Frauen mit Gitarren um werden immer noch als Ausnahme von der Regel betrachtet, in zahllosen Emo-Texten spielt die Freundin weiterhin die Rolle der herzenskalten Halbgöttin, die alles mögliche hat, nur keine eigene Stimme. „Mama ist stolz auf dich“, würde Sido sagen, Kate Nash formuliert es ein bisschen anders. „I’m looking for a magazine/ I wanna find some real cool bands/ But the music magazines and the real cool bands are in the men’s section“, heißt es in "Rap For Rejection", das ein wahres Wort gelassen ausspricht. Der plakative Albumtitel suggeriert dagegen eine ganz andere Welt, und es ist nach wie vor erstaunlich, wie viel Platz Kate Nash und ihre Sicht der Dinge umgibt. Nicht, dass die 25-Jährige dadurch limitiert würde. "Girl Talk" zeigt sich beeindruckt von der angepunkten Richtung, die schon die "Death Proof" EP auszeichnete, und bewegt sich musikalisch quer durch alle Beete, die seit den frühen 60er Jahren zu beackern sind. Das Erfrischende ist die Unverkrampftheit. „I don’t have time to die“, singt Nash, die ihren impliziten Spott hauptsächlich für die Trash-TV- und Facebook-Junkies reserviert. Die Ironie ist genau dann vorbei, wenn es um den Beziehungsalltag zwischen aufgeklärten Menschen geht, der sensibel und durchaus verletzlich behandelt wird. Aber natürlich auch nicht zu verletzlich: „Yesterday a dolphin kissed me/ but I just don’t feel no different.“

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 6.2/12

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