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Iceage - You're Nothing

You're Nothing
  • VÖ: 15.02.2013
  • Label: Matador/Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 239

Klare Verhältnisse bei Dänemarks Punk-Jünglingen. "You’re Nothing" ist ein sauguter Albumtitel, die Platte dazu hält mit.

Das Debüt von Iceage aus Kopenhagen war vor zwei Jahren unmenschlich im besten Sinn des Wortes, eine Platte, die kein Interesse an Fürsorge und Zuneigung zeigte und sich einen maschinellen Postpunk- und No-Wave-Sound zusammentackerte, in dem Hände, Füße und Münder nur noch eine geringfügige Rolle spielten. "You’re Nothing" dagegen ist so menschlich wie die Treppe runterzufallen und sich den Hals zu brechen. Alles, was an "New Brigade" verselbstständigt klang, versinkt jetzt in einem von der Band heraufbeschworenen Chaos, von dem vor allem Sänger Elias Bender Rønnenfelt profitiert. Der 20-Jährige gilt als äußerst unangenehmer Zeitgenosse, der bisher noch jeden Interviewer entnervt hat – man fand ihn also schon immer heimlich sympathisch und findet nun auch gute Gründe dafür. Die Musik hinter Rønnenfelt ist mit "You’re Nothing" loser geworden, besteht aus Raserei, abgebrochenen Gitarrensoli und Showman-Schlägen auf die Snaredrum. Der Sänger kontert, indem er näher ans Mikrofon tritt und sich einen zweiten Gesichtsausdruck antrainiert. Iceage sind also kein Abbild völliger Leere mehr, sie klingen jetzt so jung und aufgewühlt, wie man das vom Debütalbum einer Punkband erwarten würde. Dass Rønnenfelt in nicht ganz wasserdichtem Englisch textet, kommt seiner Band nur entgegen: Kein blöder Native Speaker käme schließlich auf die Idee, nach den kompliziert formulierten Enthaltsamkeits-Strophen von "Coalition" den Refrain zu überspringen und stattdessen so oft „Excess!“ zu brüllen, bis einem die Blutwerte von selbst ins Illegale rutschen.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.0/12

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