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0 Autor: Martin Iordanidis

Royal Thunder - CVI

CVI

Led Zeppelin reiten Einhörner spazieren, während Janis Joplin bei Black Sabbath einsteigt. Das Bild ist so passend, dass es nicht als Worthülse in der Biografie von Royal Thunder enden darf.

Noch sieht man in Youtube-Videos eine zurückhaltende Miny Parsonz auf der Bühne, ohne dass viel Publikum davorsteht. Das könnte sich bald ändern. Royal Thunder aus Atlanta wagen sich mit ihrem Sound zwischen Sludge, Doom und Psychedelic Rock zwar auf mehrere gut bestellte Äcker gleichzeitig, hinterlassen aber in allen dreien tiefe Furchen. Schon der erste Song "Parsonz Curse" kitzelt Gänsehaut in den Nacken, Royal Thunders Southernrock ist durchweg auf Gottesdienst programmiert. Die kratzige Gitarre schert sich nicht um den ultimativen Sound, solange stehende Feedback-Wellen wie in "Shake And Shift" die Brücke zum Heiligen Gral des Vintage-Hardrock schlagen. Sängerin und Bassistin Parsonz steht bei all dem unprätentiös im Mittelpunkt. Mit ihrer definierten Röhre schreit, flüstert oder beschwört sie, arbeitet im Studiobetrieb aufwändige, mehrstimmige Gesangsstrecken heraus oder improvisiert in "No Good" auf der Blues-Skala, bis es raucht. Das Debüt von Royal Thunder bleibt immer eine Spur fieser als "Christian Mistress", wird aber nie so gefährlich wie der Blick in den Höllenschlund mit Baroness. Alles, was Alice In Chains, Down und Kyuss an gelungenem Drogenrock vollbracht haben, bekommt mit Parsonz’ Stimme einen neuen Glanz – der trockenen Produktion zum Trotz. Bevor "CVI" am Ende im selbst geschaffenen Klischee-Universum ertrinkt, rettet die sakrale Ballade Minus diese bemerkenswerte Platte vor der eingebauten Berechenbarkeit. Und der Planet Caravan dreht sich doch.

Bewertung: 8/12

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