Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Markus Hockenbrink

The Mountain Goats - Transcendental Youth

Transcendental Youth

John Darnielle verfügt über ein weltumspannendes Netzwerk von Schläfern, die jederzeit losschlagen könnten. Sein neues Album vertröstet sie für den Moment.

Als Indie-Messias muss man sich öfter blicken lassen als alle 2000 Jahre, die Mountain Goats wissen das. John Darnielle ist dem Vernehmen nach ein sehr glücklicher Mensch, sieht aus wie der beste Biologielehrer aller Zeiten und schreibt in seiner Freizeit Bücher über Heavy Metal. Eine Bildersuche im Internet zeigt, dass seine Fans ihm teilweise auf sehr merkwürdige Art huldigen, doch "Transcendental Youth" rechtfertigt wieder einmal das Bohai. Die besten Darnielle-Songs sind auch diesmal die mit dem größten Gruselfaktor: die körperlose Drogenelegie "Lakeside View Apartment Suite" schwebt auf Dexedrine rein und krabbelt auf Crack wieder raus, "White Cedar" malt sich das eigene Ableben in blassen Farben aus, und "Night Light" empfiehlt dringende Beleuchtung, "because the small dark corners have designs on me." Der Teufel steckt im Detail, im Arrangement, in den Texten, die man lernen sollte wie einen Einbürgerungstest. Darnielle brauchte noch nie richtig singen zu können, um einen Ausdruck wie "army surplus jacket" auf vier verschiedene Arten sexy klingen zu lassen, meistens begnügt er sich aber auch mit nur drei. "Transcendental Youth" gilt aktuell als die Mountain-Goats-LP mit dem rücksichtslosesten Waldhorneinsatz, ihre Storys klopfen außerdem selbsternannten Außenseitern und wahrlich Lebensuntüchtigen gleichermaßen auf die Schulter. "Do every stupid thing that makes you feel alive", singt John Darnielle, ernst und feierlich, und dann: "Some things you do just to see/ How bad they’ll make you feel." Shit, stimmt.

Bewertung: 9/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.