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Neurosis - Times Of Grace

Times Of Grace

Bands kommen, Bands gehen, das ist ein ganz normaler Prozess. Die einen früher, die anderen später, und nur wenige begleiten einen über ein Jahrzehnt.

Einer Gruppe wie Neurosis, die nunmehr 13 Jahre besteht und schon einige Höhen und Tiefen durchgemacht hat, muss man vorab schon mal enormes Durchhaltevermögen und den Willen attestieren, ihre musikalischen Vorstellungen, die niemals mehrheitsfähig waren, auf Teufel-komm-raus zu verwirklichen. So sehr ich das Kollektiv mit dem philosophisch-spirituellen gedanklichen Überbau aus San Francisco zu "Souls At Zero"- und "Enemy Of The Sun"-Zeiten und aufgrund einiger höchst aufrührender Live-Erfahrungen gemocht habe - nach ihrem letzten, meiner Meinung nach missratenen Album "Through Silver In Blood" hätte ich dieser Band zur Auflösung geraten, da es hier offensichtlich nicht mehr weiterging. Aber falsch, "Times Of Grace" zeigt diese Band plötzlich wieder in majestätischer, erhabener Größe - mächtig, physisch spürbar, tonnenschwer und apokalyptisch. Man hat sich Gedanken gemacht, den eigenen Sound grundrenoviert und sich von Steve Albini produktionstechnisch unterstützen lassen. Vielleicht ist es ihm zu verdanken, dass jeder musikalische Bestandteil auf dieser Platte Wirkung entfalten kann. Nichts erstickt im Klangwall, Neurosis lärmen anno '99 ökonomisch und konzentriert. Und auch die ruhigen, episch breit gefächerten Strecken scheinen endlich wieder logisch, wie ein Kräftesammeln für den darauffolgenden derben Schlag in die Magengrube, nicht wie ambientes Geschwubber ohne Sinn und Ziel. Neurosis können es noch und sind wieder voll integriert in den exklusiven Zirkel der Musikschaffenden für den Weltuntergang. Und wenn sie "End Of Harvest" oder das Titelstück erst live spielen, dann wird sich die Sonne möglicherweise schon mal verdunkeln. Höre mit Schmerzen.

Leserbewertung: 10.8/12

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