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0 Autor: Henning Grabow

The Tidal Sleep - The Tidal Sleep

The Tidal Sleep
  • VÖ: 30.03.2012
  • Label: This Charming Man/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 229

Moderner Hardcore bekommt mit The Tidal Sleep einen überraschend souveränen deutschen Ableger und zeigt: The Wave befördert auch hierzulande Qualität an die Oberfläche.

Als Hardcore-Jünger hätte man noch im Jahr 2011 schicksalsgläubig werden können – etablierte Größen wie Thursday oder Thrice gaben ihre Trennung oder nicht näher erläuterte Pausen bekannt, und im Gegenzug nahm eine Bewegung namens The Wave richtig Schwung auf. Es ist beinahe so, als ob ein ganzes Genre vorhätte, sich gesund zu amputieren. Die importierte Wucht von La Dispute und ihren Freunden muss man in Ehren halten, doch auch die hiesigen Neulinge sollte man nicht vergessen. Erst recht nicht, wenn man ihnen, wie im vorliegenden Fall, ihre Envy-Sozialisierung nicht nur anhört, sondern auch ungemein Spaß daran findet, diese Leidenschaft teilen zu lernen. The Tidal Sleep aus Karlsruhe und Mannheim meistern diesen Anspruch auf ihrem selbstbetitelten Debüt: Unter der Ägide des sympathischen Mini-Labels This Charming Man sind sieben Songs zusammengewachsen – expressiv und lyrisch-emotional erinnern sie an Wildlife, knackig wie Parting The Sea Between Brightness And Me sind sie außerdem. Weil The Tidal Sleep ihr Album mit dem Mut zur kunstvollen Verästelung vortragen, hat es hier tatsächlich Sinn, Postrock, Screamo und Hardcore zusammenzudenken. Sympathie-Punkte gibt es außerdem für das Bukowski-Sample in Tiburon – wer so veredelt, muss ein guter Mensch sein. In einigen Momenten fehlt zwar noch das Zwingende der US-Wave-Vertreter, aber das erklärt man gerne damit, dass es The Tidal Sleep erst seit knapp einem Jahr gibt. Ihr Debüt erscheint nur auf Vinyl und als Download.

Leserbewertung: 10.0/12

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