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3 Autor: Dirk Siepe

Therapy? - A Brief Crack Of Light

A Brief Crack Of Light

Ein Album wie die Karriere dieser einzigartigen Band: Mit Krach und Melodien, Höhen und Tiefen. Irgendwie noch hungrig, doch von jeglicher Illusion längst befreit.

Eine gewisse Resignation ist wohl unausweichlich, wenn die erfolgreichsten Zeiten bald 20 Jahre zurück liegen. Mitte der 90er hatten Therapy? ein Majorlabel im Rücken, heute muss sich die Band für jedes Album eine neue Firma suchen, die noch bereit ist, in sie zu investieren. Aber Therapy? finden eben auch immer Verbündete und können auf eine loyale Fanbase vertrauen. Diese wird sich auf "A Brief Crack Of Light" gleich zu Hause fühlen, wenn ein dröhnendes, durch bollernde Drum-Wirbel sägendes Riff einen typischen Einstieg in eine typische Therapy?-Platte bildet. Typisch ist auch ihre Lust an sperrigen, fast schon schmerzhaften Tönen, die sie seit dem sträflich unterschätzten Album "Suicide Pact – You First" immer hemmungsloser ausleben. Hat man sich von kommerziellen Erwartungen erst einmal verabschiedet, sind der eigenen Musik eben auch in Richtung Atonalität keine Grenze mehr gesetzt. Das kann mitunter schwer nerven, wie bei den Vocoder-Effekten der abschließenden "Elegie Ecclesiastes", aber insgesamt bleibt die Dosierung im homöopathischen Rahmen." Plague Bell etwa stürzt erst gegen Ende in solche Gefilde, vorher begeistert eine furiose Druckwelle aus Drums und Bass, auf der Andy Cairns seine unverwechselbaren Hooks platziert. Das Singen wird der Mann freilich nicht mehr lernen, doch versteht er es halt vorzüglich, mit seinem nasalen Gebell Worte in eine mitreißende Form zu bringen. "You wanna see the magic return", heißt es da im Refrain. Von Magie zu sprechen, wäre wohl arg vermessen, doch das Feuer ist bei den Nordiren längst noch nicht erloschen.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 8.4/12

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Kommentare (3)

Avatar von FritzeKnut FritzeKnut 06.02.2012 | 11:55

Schönes Ding. Wer allerdings Therapy? das letzte Mal zur Troublegum gehört hat - oder dieses Album für das Beste hält - dem sei hiervon mit Nachdruck abgeraten. Die Platte ist ein direkter Nachfolger der göttlichen Crooked Timber. Die Songs bauen größtenteils auf der Rhythmussektion auf, die Gitarre darf allerdings wieder weiter nach Vorne rücken. Breite Soundstrukturen und Instrumentals à la Magic Mountain sind auch weiterhin vorhanden. Und mit Stark Raving Sane zeigen die Iren wieder einmal das RocknRoll noch können.

Schönes Ding insgesamt, die LP-Version kommt als lilafarbenes Vinyl.

Avatar von FritzeKnut FritzeKnut 06.02.2012 | 11:57

FritzeKnut 06.02.2012 | 11:55

Schönes Ding. Wer allerdings Therapy? das letzte Mal zur Troublegum gehört hat - oder dieses Album für das beste Album hält - dem sei hiervon mit Nachdruck abgeraten. Die Platte ist ein direkter Nachfolger der göttlichen Crooked Timber. Die Songs bauen größtenteils auf der Rhythmussektion auf, die Gitarre darf allerdings wieder weiter nach Vorne rücken. Breite Soundstrukturen und Instrumentals à la Magic Mountain sind auch weiterhin vorhanden. Und mit Stark Raving Sane zeigen die Iren das sie auch den dreckigen RocknRoll noch können.

Die LP-Version kommt als lilafarbenes Vinyl - sieht also noch schick aus.

Avatar von lefreak lefreak 21.02.2012 | 20:22

Ich fand "Crooked timber" super und verstehe wohl noch in 30 Jahren nicht, warum dieses Album nicht entsprechend gewürdigt wird. Wie dem auch sei, dieser Nachfolger macht nur Lust auf den Vorgänger. Der Ansatz mit den verschiedenen Rhytmen ist inzwischen ein laues déjà-vu. Wo sind die geilen Riffs welche Therapy? durch jede Transformation ihres Sounds begleiteten?
Ja "Marlow" ist (endlich?) mal was anderes und "Living in the shadows of the terrible thing" zündet auch fast - aber was ausser dem Schlusstrack und vielleicht noch "Plague bell" hinterlässt einen guten, aber keineswegs grossartigen Eindruck? Ich freue mich schon auf die nächste Reinkarnation von Therapy? Diesmal bitte wieder mit guten Riffs - egal wie experimentierfreudig es zugehen mag.

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