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0 Autor: Carsten Sandkämper

Bohren & Der Club Of Gore - Beileid

Beileid

Mit verlässlicher Langsamkeit legt sich der Schleier des Bohren-Sounds über die Welt. Zwar nur mit drei Stücken, aber die passieren in der speziellen Zeiteinheit „Bohren-Time“.

Nach ihrem letzten regulären Album Dolores und der Maxi Mitleid Lady ist Beileid zwar lediglich ein weiterer Vorbote eines neuen Albums, dennoch ist man geneigt, die zwei viertelstündigen Stücke plus Siebenminüter als komplette Platte zu würdigen. Ein Grund hierfür liegt in der Homogenität des Sounds, der sich auf ein sehr reduziertes Instrumentarium beschränkt. In dem Setting aus Vibrafon, Rhodes, Orgel, Saxofon und Schlagzeug treten zusätzliche Protagonisten kongenial in den Vordergrund. Wenn in Zombies Never Die (Blues) ein Jean-Michel-Jarre-Gedächtnis-Synthesizer die Führung übernimmt und das Stück in bester Equinox-Manier gen SciFi-Vision der 70er Jahre schleift, macht einen das schon sprachlos, denn eine so unverkrampfte und gleichzeitig offenherzige Reminiszenz ist nur sehr schwer machbar. Mit der Warlock-Coverversion Catch My Heart, gesungen von Mike Patton, gelingt Bohren in der Folge einer dieser Coups, der ihre absolute Ausnahmestellung in der Gegenwartsmusik unter Beweis stellt. Die schmachtende Metal-Ballade in einen Kosmos von Langsamkeit und Tiefe zu übertragen, ihr sämtliche Peinlichkeit zu nehmen und den Klischees im Text so etwas wie Würde zu verleihen, offenbart die sprichwörtliche Bohren-Konsequenz, mit der sie auch umtriebige Hyperaktive wie Patton begeistern und zu einer Höchstleistung wie dieser anstacheln können. Im schließenden Titelstück, das seinerzeit nicht ins Albumkonzept von Dolores passte, hebt ein schwer beladenes Luftschiff mit Mühe ab, um seinen langen Weg über zerklüftete Gebirgszüge zu wagen. Es wird überall ankommen. In its own time. Bohren-Time.

Leserbewertung: 8.5/12

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