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Frank Turner - England Keep My Bones

England Keep My Bones

Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass Frank Turner sein Hardcore-Erbe und den Folk-Ruhm gewinnbringend in Pop-Aktien angelegt hat. Eigentlich macht ihn das nur noch mehr zum Volkssänger.

Denn Turner schert sich nicht darum, ob er jetzt nach Pub oder Pop, nach Chuck Ragan oder Chris Carraba klingt, solange er jene großen euphorischen Melodien spielen kann, die auch an Zehntausenden Festivalkehlen und dem Formatradio nicht kaputt gehen. Übersprudelnde Folksongs sind das, immer auf Tuchfühlung mit der Hymne, das hätte man der herzblütigen Rock’n’Roll-Liebeserklärung "I Still Believe" auch ohne ihren Festivalchor angemerkt. Arbeiterpoet und Ex-Raubein kann Turner mit "Eulogy" und "One Foot Before The Other" zwar nachweislich auch noch gut. Lieber aber lässt er sich mit seinem warmen Bandsound treiben, aus dem die Akustikgitarre auf "England Keep My Bones" wieder deutlicher heraussticht. Das ist neben Experimenten wie der mittelalterlich inspirierten A-cappella-Ballade "English Curse" vor allem für sonnige Folkgemüter wie "Peggy Sang The Blues gut", die man wegen ihres Flirts mit Südstaaten-Rock’n’Roll schnell unterschätzt. Dabei hat Turner hier trotz aller Pop-Affinität sein bis dato tiefgängigstes Album hingelegt. "England Keep My Bones" muss seine Leidenschaft nicht ständig nach außen kehren, es leistet sich melancholischere Songs wie "Nights Become Days", in die man sich einwickeln möchte und die die Grenze zum Bubblegum- und Gebrauchsfolk doch niemals ernsthaft passieren. Sogar die "Living Next Door To Alice"- und "Someday We’ll Know"-Zitate von "If I Ever Stray" und "Redemption" stehen bei Turner dann am Ende auf der Haben-Seite.

Leserbewertung: 9.8/12

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