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0 Autor: Jens Mayer

The Joy Formidable - The Big Roar

The Big Roar
  • VÖ: 25.02.2011
  • Label: Atlantic/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 216 - Schönheit der Ausgabe

Zarter Krachpop, postpunkiger Shoegaze-Noise mit Grunge- und Artrock-Versatzstücken? Oder einfach so: Pixies, Breeders, Lush – das, was in den 90ern an 4AD Records so gut war. Ins hier und heute gerettet, inklusive Pärchen-Bonus.

Ritzy Bryan und Rhydian Dafydd sind so etwas wie die Bonnie und Clyde der walisischen Indierock-Szene. Mit Tricky Nixon und der Nachfolgeband Sidecar Kisses legten sie bereits den Grundstein für das, was sie jetzt in London mit einer gewissen Artrock-Abgeklärtheit kultivieren. Die Sängerin und Gitarristin und ihr Bassist haben die Rollen von Frank Black und Kim Deal übernommen, auch wenn ihr sympathisch-holpriger Bass-und-Knarz-Sound gerne mal in Shoegaze-Sphären ausweicht und Dafydd nur bei einem Song auf "The Big Roar" den Gesang übernimmt. Die Vorschusslorbeeren für The Joy Formidable waren jedenfalls groß, schließlich hatte die britische Presse bereits die ersten Singles "Austere" und "Cradle" begeistert aufgenommen, und auch das Minialbum "A Balloon Called Moaning" äußerst wohlwollend goutiert. Die Schlüsselsongs daraus sind auf "The Big Roar" noch einmal vertreten, allen voran der krachig-grungige Hit "Whirrling", aber auch das kaum weniger mitreißende "Cradle", das hier abschließende "The Greatest Light Is The Greatest Shade" und natürlich "Austere". Was den Hitfaktor angeht, schlägt mit "The Magnifing Glass" aber auch ein neuer Song in die gleiche Kerbe. Ein knarzig-fuzziges Gitarrenriff, das unheimlich druckvolle, präzise Schlagzeug von Matt Thomas, das manchmal an ...Trail Of Dead erinnert, und dazu der Gesang von Bryan, der gleichzeitig abwesend und präsent wirkt, unschuldig und verführerisch cool. Doch The Joy Formidable wollen mehr, das machen sie gleich mit dem Opener "The Everchanging Spectrum Of A Lie" deutlich: Über sieben Minuten und 45 Sekunden bauen sie eine dichte Klangwelt auf, die Gitarrenspur auf Gitarrenspur schichtet und die trotz der luftigen Höhen, in die sich die Band aufschwingt, nicht unübersichtlich wird, um letztendlich doch die Kontrolle aufzugeben und dem Rausch zu erliegen. Musikalisch erinnert das Trio dabei immer mal wieder an Conor Obersts Desaparecidos-Kollegen Denver Dalley und dessen wunderbare Statistics-Alben. Die sollte man aus diesem Anlass auch unbedingt mal wieder hören, doch das sei nur am Rande erwähnt. Für The Joy Formidable bleibt nur noch zu hoffen, dass sie ein längeres Leben haben werden als ihre Vorgängerbands und sich Bryan und Dafydd nicht auf Dauer in einem Namens- und Projektdschungel verlaufen, wie es so manche hoffnungsvollen Musiker getan haben, die dann an ihrer verspielten Unbeständigkeit gescheitert sind.

Leserbewertung: 9.3/12

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