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Rancid - Let The Dominoes Fall

Let The Dominoes Fall

Das Asi-Doppel Armstrong und Frederiksen spielt sich nach sechs Jahren Pause erneut die Bälle zu. Ein reines Showmatch, den Titel fürs Lebenswerk als eine der einflussreichsten Punkbands haben sie sicher.

Und man hätte es nie für möglich gehalten, Rancid haben ein Album geschrieben, das mit der Zeit wächst. Keine Sorge, „Let The Dominoes Fall“ ist kein Konzeptalbum in drei Akten geworden – allein dafür ist der Opener „East Bay Night“ zu wunderbar stumpf polternd, aber es trägt nicht den einstigen Sturm und Drang in sich, dem Gewohnheitskäufer ad hoc den Iro steif zu blasen. Statt konstant um sich zu spucken, nimmt es den Hörer jetzt auch mit auf die Veranda, gießt Zitronenlimo ein und erzählt von der Freiheit der Straße („The Highway“) oder dem Grauen des Krieges („Civilian Ways“) und zollt denen Respekt, die ihrem Schicksal nicht zu entgehen wussten: „The bravest kids that I know/ Are the ones that gotta go/ Fighting over there“ („Bravest Kids“). Rancid sprechen sich also neben ihren fast schon klerikal verbrämten Werten wie Freundschaft und Zusammenhalt auch mal für etwas anderes aus, interessant. Ansonsten spielt „Let The Dominoes Fall“ das komplette Rancid-Inventar rauf und runter – Rocksteady-Ska („Liberty And Freedom“), 60-Sekunden-Brecher („This Place“), Streetpunk („New Orleans“), straighte Punkrock-Nummer („You Want It, You Got It“) und dank der Hilfe von Aushilfskeyboarder Booker T mit „Up To No Good“ einen Tanzflächenhit, der „Time Bomb“ seine verdiente Auszeit gönnt. Das siebte Album hat insgesamt einen Anstrich von Best-Of-Platte, beinhaltet es doch wie erwartet und erwünscht alle Facetten der Band, ohne sich penetrant zu wiederholen. Und das, obwohl es das erste Rancid-Album nicht in der Stammformation um Drummer Brett Reed ist, der mittlerweile von Branden Steineckert (The Used) ersetzt wurde. Als Produzent fungierte erneut Brett Gurewitz (Bad Religion, Pennywise, NOFX). Herausgekommen ist, wenn es so etwas im Rancid-Universum denn geben sollte, eine für ihre Verhältnisse reife Platte – die hoffentlich nicht die Spätphase mit zu viel Altersmilde einläutet. Und, liebe Nachwuchsbassisten dieser Welt, hört euch doch mal an, was Matt Freeman da im Hintergrund für Kabinettstückchen vollbringt. Wer sich jetzt noch immer fragt, warum eine Rancid-Platte sich im Ohr so festzusetzen vermag – allein schon deshalb, weil Freeman sie einem unbewusst dort festschraubt. Alte Liebe rostet vielleicht nicht, aber sie kommt etwas schleppender in Gang. Dann aber richtig.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.3/12

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