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0 Autor: Dennis Plauk

Arctic Monkeys - Humbug

Humbug
  • VÖ: 21.08.2009
  • Label: Domino / Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 198 - Schönheit der Ausgabe

Die Entdeckung des Understatements: Arctic Monkeys probieren sich nach "Favourite Worst Nightmare“ nicht am zweiten Aufguss ihres furiosen Debüts, sondern suchen ihr Glück in oberflächlich unspektakulären Midtempo-Songs. Mit Erfolg.

Dabei erscheint es grundsätzlich unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet Josh Homme zuzurechnen sein soll, die vier aus Sheffield derart gezügelt zu haben. Homme gilt dank seiner Engagements bei Kyuss und Queens Of The Stone Age ja nicht gerade als Mann, der Zurückhaltung als Maß aller musikalischen Dinge predigt. Den Monkeys aber scheint er geraten zu haben, sich eine Scheibe abzuschneiden bei Sänger Alex Turners Kammerpopprojekt The Last Shadow Puppets. Deren LP "The Age Of The Understatement" (2008) weist nämlich so manche erstaunliche Parallele zu "Humbug" auf – von den grüblerischen Texten Turners über das gedrosselte Tempo seiner Band bis zur dezent-spukigen Spaghettiwestern-Haftigkeit ihrer Musik. Gleichwohl gibt das eine oder andere Sounddetail auf "Humbug" durchaus noch Aufschluss darüber, auf wessen kalifornischer Wüstenranch die Briten für die Sessions eingekehrt sind: Der wummernde Bass in "Crying Lightning" entlarvt den King Of Queens als Hintermann und Co-Produzenten ebenso wie der schmutzige Blues, zu dem "Potion Approaching" im Schlussspurt mutiert. Gemessen daran bleibt die Handschrift des zweiten Produzenten, den die Band für "Humbug" ins Boot geholt hat, schier unsichtbar: James Ford von Simian Mobile Disco verhalf zuvor Debütanten wie den Klaxons, Mystery Jets und Duels zu mehr Griffigkeit – ein Ziel, das dieses Mal kaum seine Arbeit gelenkt haben dürfte: Zwar ist "Humbug" per se keine uneingängige Platte, stellt aber die Gesamtwirkung eindeutig über herausragende Einzelsongs. Weniger Hits hatte bisher kein Arctic-Monkeys-Album, mehr Atmosphäre allerdings auch nicht. Das lenkt freilich nicht davon ab, dass "Humbug" zur Mitte hin die Puste auszugehen droht und es generell etwas mehr Zug vertragen hätte. Selbst in druckvolleren Stücken wie "Dangerous Animals" oder "Pretty Visitors" wirken die Monkeys gebremst – immerhin weiß man seit Songs wie "Brianstorm" und "From The Ritz To The Rubble" ziemlich genau, wozu ihr hyperaktiver Gitarrenrock so alles imstande ist. Auf "Humbug" sind sie bewusst unter ihren Möglichkeiten geblieben, und vielleicht war es die beste Entscheidung: Das mediale Affentheater um Arctic Monkeys wird sich endgültig legen. Und wer sie je in Interviews erlebt hat, kann nur bestätigen: Nichts wäre ihnen lieber als das.

Leserbewertung: 8.7/12

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