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0 Autor: Dennis Plauk

The Last Shadow Puppets - The Age Of The Understatement

The Age Of The Understatement

Oft ist es das Spannendste im Rock, wenn Rechnungen nicht aufgehen. So wie diese hier.

Denn entsprechend den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit müsste als Ergebnis so etwas wie "New Wave Of British New Wave" herauskommen, wenn die Summe dazu lautet: "Arctic-Monkeys-Sänger/Gitarrist nimmt mit Rascals-Sänger/Gitarrist ein Album auf." Zumal es sich hierbei selbstverständlich nicht um die ollen Rascals aus Amerika handelt (wie sähe das denn auch auf Fotos aus?), sondern um die jungen aus Britannien. Die wiederum waren jenseits der Insel bisher weitgehend unbekannt, können sich nun aber dank dieses Kunststücks von einer Interimsplatte darauf gefasst machen, so einigen hohen Erwartungen zu begegnen, wenn sie im Sommer plangemäß mit ihrem Debütalbum an den Start gehen. Doch Zukunftsmusik. Fürs Erste wird Rascals-Chef Miles Kane genug damit zu tun haben, die Fragen nach "The Age Of Understatement" zu beantworten, seinem rundum fabulösen Album mit Arctic Monkey Alex Turner. Hat sich nämlich was mit New Wave: Kane und Turner, die sich gemeinsam The Last Shadow Puppets nennen, leben auf der Platte offenbar ihren Fimmel für eine Form von Musik aus, die schon existierte, als Punk – geschweige denn New Wave – noch eine feuchte Fantasie in den Köpfen einiger querdenkender Engländer waren. Turner und Kane mögen vor allem auf Bowie und Scott Walker als Ideengeber verweisen – in letzter Konsequenz bleibt "The Age Of Understatement" doch vor allem dem einen verbunden: Ennio Morricone. Zwar wird der römische Filmkomponist gemeinhin öfter mit seinen vergleichsweise wenigen Arbeiten für Spaghettiwestern in Verbindung gebracht, als ihm lieb sein kann und uns sein sollte. Doch in diesem Fall ist es tatsächlich der "Spiel mir das Lied vom Tod"-Morricone, dessen Fährte The Last Shadow Puppets bis tief hinein in die Prärie verfolgen. Zwischen Tango und Galopp, Mariachi-Trompeten und Kastagnettenklappern, zwischen gespenstischen Surfgitarren, den üppig arrangierten Streicherbeiträgen des London Metropolitan Orchestra und jeder Menge 60s-Vibe müssen Kane und Turner ihrer Vorstellung von Melodramatik sehr nahe gekommen sein. Sehr charmant ist das. Und was es noch besser macht: Sie haben dabei nicht vergessen, tolle Songs zu schreiben. Im ersten der zwölf heißt es: "She was walking on the tables in the glasshouse/ Endearingly bedraggled in the wind/ Subtle in her method of seduction/ Twenty little tragedies begin." Wirklich, zwölfmal unwiderstehlich.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 7.5/12

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