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0 Autor: Philipp Welsing

Frank Turner - Poetry Of The Deed

Poetry Of The Deed

Erstaunlich, wie schnell dieser Mann wächst. Nach Hardcore über Folk mit kleinen Schritten weiter in Richtung Straßenmitte.

Die Orgel bei "Live Fast Die Old", sein lässiger Rock-Aufbau und seine unverstellte Attitüde, das erinnert schon stark an The Hold Steady. Die Pianofigur einen Song später ebenso (sie taucht regelmäßig wieder auf). Der Eindruck festigt sich stetig mehr: Ehrlich soll es sein, ehrlich soll es klingen, jetzt wo der Aha-Effekt des krassen Stilwechsels von seiner Hardcore-Vergangenheit hin zum Dylan-Folk aufgebraucht ist. Charmant oder irgendwie ruppig bleibt dabei allein die leichte Unterproduktion. Die Gitarren fallen zugunsten des Klaviers gerne mal komplett weg. Und manchmal verhebt sich Turner dann mit der poppigen Eingängigkeit – "Isabel" schliddert am aufmüpfigen Ohr vorbei und dümpelt irgendwo zwischen Emo-Ballade und... Snow Patrol? Hat sich dann was mit Punk-Folk-Poet. Da hört der Autor ganz ehrlich lieber die tolle Coverversion von "Girlfriend In A Coma" seiner alten Band Million Dead. Wenn Turner aber glücklicher klingen will als damals – was will man machen? Seine Stimme bleibt toll, keine Frage. Seine Songs sind auch durchweg gut. Fiedeln ("Sons Of Liberty") und Traditional-Strukturen (selber Song) darf man aber scheiße finden und die Leute im Geiste vor sich sehen, wie sie sich unter den Schultern einhaken und im Kreis die Beine hochwerfen. Uahrgs! Danach Entwarnung: "The Road" – die Single – ist eine wunderbare Aufbruchshymne, mit tollem Refrain und rau gesungener Strophe. Da will man auch Straßenluft schnuppern und ein paar Stunden zu viel Highway fahren. Sogar ein richtiger Indie-Rock-Part wartet am Ende. Warum nicht Vergangenheit und Gegenwart öfters so prima miteinander verschwurbeln? Danach gibt Turner uns dann lieber den Springsteen. Nächster Song. Da klappt der neue Frank Turner wieder gut. Die leichte Wehmut ist zurück, das Piano ringt sich endlich zu einer eigenen Melodie durch – das ist mehr Murder By Death als Hold Steady; auch eine Richtung, die Turner steht. "Sunday Nights" knüpft dort an und bringt wieder die olle Middle of the Road ins Spiel, aber hier passt endlich alles gut zusammen. "Life is too short to live without poetry" – da hat er wohl Recht. Trotzdem: Nach diesem massiven Ins-Wohnzimmer-Platzen lieber ein wenig sammeln und ein Jährchen warten, dann sind wir wieder heiß auf neue Songs von Frank Turner. Oder: wieder aufnahmefähig, nach zwei Alben und einer Frühe-Tracks-Compilation in zwei Monaten...

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 8.6/12

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