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0 Autor: Philipp Welsing

Isis - Wavering Radiant

Wavering Radiant

Wem bei allem beherzten Segelflug jüngst die Härte dieser Band fehlte, der darf sich freuen. Isis tun wieder weh, wenn sie auf dem Boden aufschlagen.

Und natürlich ist es verständlich, wenn man nach Alben wie „In The Absence Of Truth“ oder gar „Panopticon“ erst mal die sonst sichere Hand vermisst, die Ausbruch, Krach, Katharsis und auf der anderen Seite das Atmosphärische in geballter Faust nah beisammen hält. Mal treffen hier die beiden Pole etwas überhastet aufeinander („Hand Of The Host“), mal lässt der Ausbruch ewig auf sich warten („20 Minutes\40 Years“), mal kommt er gar nicht („Wavering Radiant“). Aber so sind Isis nun mal 2009. So definieren sie sich, so sind sie hinzunehmen. Die ätherischen Sprechsing-Strecken haben sie auf ein Minimum heruntergeschraubt, und die mag man gut und gerne so wenig mögen wie das esoterische Outfit und Live-Gebaren ihres Keyboarders. Der Teufel, die musikalische Herausforderung stecken ganz klar im Detail. Während sich der Sound beinahe zurückhält, sich nah an dem verortet, was die Band live ausmacht, reißt plötzlich Aaron Turner aus dem Klangschema aus und schreit uns scheinbar aus dem Badzimmer oder direkt der Folterkammer an. Ein äußerst verstörender Effekt, erzeugt nur durch einen anderen Gesangsraum. Und so ist das hier häufig der Fall: Strukturen folgen nicht der bislang vorgegebenen, von den meisten erwarteten Logik. Songteile stürzen in sich zusammen, werden von härteren Kompositionen förmlich überrannt. Hierin zeigt sich das neue, radikale Äußere der Band. Wie sonst könnte sie sich auch etwas Neues hinzufügen, wenn das Wechselspiel aus hart und episch schon auf die Spitze getrieben wurde? Das bieten uns Isis auf insgesamt drei Alben, mit wachsender Schlüssigkeit. Dann lieber den schönen Turm wieder einreißen und beschauen, was danach auf dem Boden liegt. Was also zunächst nach Unstimmigkeit aussieht, nach teils unglücklich oder gar unfähig umgesetzter Isis-Routine, offenbart sich als Schritt zurück nach vorn. Vor allem, wenn das Harte so schön weh tut. Vermehrt muss man an die „SGNL>“-Reihe auf „Celestial“ denken. Turner bellt förmlich seinen Weltschmerz aus dem Hinterhalt, wenn „Stone To Wake A Serpent“ Fahrt aufnimmt. Herrlich. Und immerhin schließt „Wavering Radiant“ mit dem erhabensten Refrain der Band-Geschichte ab. Da meint man, Mono hätten den Proberaum mit Neurosis getauscht. Wenn Isis hier, wie sie sagen, mehr denn je ihr Inneres offenbaren, ist ihr nächster Schritt so wenig vorhersehbar wie je zuvor.

Anspieltipps: Hall Of The Dead | Hand Of The Host | Threshold Of Transformation

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.4/12

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