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2 Autor: Dennis Plauk

John Frusciante - The Empyrean

The Empyrean

Zehn Soloalben in 15 Jahren – das klingt nach weniger, als es ist.

Denn weder wird daraus ersichtlich, dass Frusciante als Solist erst 2003 wirklich aufgeblüht ist (sieben Platten seither, diese eingerechnet) noch lässt sich mit bloßen Zahlen sagen, wie vielseitig und anders er auf bald jedem neuen Album ist. Krautrock, Noise Rock und Akustikrock, Postpunk, Avantgarde und Electronica: Wenige Musiker stehen für so viel Wandelbarkeit – die allerwenigsten auf einer Platte. Denn Frusciantes zehnte, "The Empyrean", bringt mehr oder weniger alles unter ein Dach, was das breite Repertoire des Multiinstrumentalisten hergibt. Erstaunlich ist dabei zweierlei. Zum einen, dass Frusciante die Gesetzmäßigkeiten populärer Rockmusik, an die er sich mit den Red Hot Chili Peppers in meist griffigen, auf den Punkt gebrachten Songs hält, für seine eigenen Platten zunehmend außer Kraft gehoben sieht: "The Empyrean" empfängt einen mit einem neunminütigen, kaum variierten Instrumental auf Basis eines Gitarrensolos, und selbst ein vermeintlich pointiertes Stück wie "Unreachable" verliert sich gegen Ende in wilder Improvisation. Zum anderen ist bemerkenswert, dass John Frusciante bei allem Output imstande bleibt, sich neue Klangfarben zu erschließen: ein Streicherquartett hier, ein Chor dort – und immer wieder dieser 70s-Vibe, der sich durchs Album zieht, zusätzlich befeuert von Fleas Disco-verliebtem Bassspiel. Zehn Soloalben in 15 Jahren...

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 10.8/12

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Kommentare (2)

Avatar von SABOTAGE SABOTAGE 26.01.2009 | 19:13

Ich warte schon eine Ewigkeit und kann es kaum erwarten!!
Jetzt schon eine 12 :-)

Avatar von godblow godblow 28.01.2010 | 13:31

Ja, früher, es ist schon lange her, zu einer Zeit, in der es noch keine empirische Wissenschaft gab, da war auch das mystische, das religiöse Sein und Streben noch fester Bestandteil des Menschen und dessen gesellschaftlicher Normen. Das "Empyrion" war damals der höchste Punkt des Himmels und galt als Element des Feuers (oder Äthers (aristotelische Vier-Elemente-Lehre)). Im Christentum war es der Aufenthaltsort der Götter und der Seligen. Diese Grundidee eines "Platzes", an dem die "hohen Wesen" residieren, zieht sich auch durch die Kunst, vor allem die Literatur (z.B. Dantes "Divine Comedy", oder bei Stephen Lawhead).
Und jetzt nun bei John Frusciante? Der John Frusciante? Literatur und Religion? Klingt irgenwie abwegig, wenn man an die Chili Peppers denkt, oder? Ist es aber nicht, denn sein Solowerk ist durchzogen von religiösen Bildern und Metaphern. Und dennoch, und Gott sei Dank, macht er keinen christlichen Rock. Aber Sinn! Denn wie er seine Songs gestaltet und präsentiert, ist überzeugend und souverän. Wie man auch hören kann. Zum Beispiel im zäh vor sich hin improvisierten "Before the Beginning", in welchem er über einem klassischen Blueschema Melodien improvisiert und weiter entwickelt, bevor die Platte dann so richtig losgeht. Vielleicht ganz so wie der Schöpfer allen Seins zunächst ein wenig herumprobiert hat, bevor es dann losging mit der Schöpfung.
Im vierten Songs des Albums ("God") kommt jener dann auch mit Hilfe Frusciantes zu Wort. In jeder Hinsicht ein absolut großartiges Lied. Arrangement, Melodie, Intensität, Länge, ... alles ist stimmig und schlüssig.
Ich könnte jetzt noch ewig weiter schreiben, denn zu solch großartigem Werk fällt einem eben auch viel ein. Trotzdem schließe ich mit folgenden Worten: Kunst lebt zwar im Auge des Betrachters, doch sie bedarf auch der Beschäftigung mit ihr. Beschäftigt euch mit diesem Mann. Es lohnt sich!

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