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0 Autor: Jörg Staude

AC/DC - Black Ice

Black Ice

Es ist Freitag, der 17.10.2008. Folgende Mail erreicht den Server um 11.59 Uhr:

"Hab sie eben 1x auf Zimmerlautstärke gehört. Heute Morgen im Büro noch mal. Gerade kommt Kollege Dirk rein, kriegt feuchte Augen und dreht die Anlage auf 10. Genau das hat es gebraucht! Die Scheibe muss man laut hören. Eine detaillierte Kritik fällt schwer: AC/DC ist AC/DC und wird es (zum Glück) immer bleiben. Man erwartet nichts Neues. Ich fühle den Drang, mich ins Auto zu setzen, die Anlage aufzudrehen und zu cruisen. Blues hatten sie schon immer. Mal mehr, mal weniger. Angus‘ Riffs bereiten Hühnerfell, und die Mütze krakeelt wie in besten Zeiten. Wenn sie jedes Jahr so eine Platte abliefern würden, wäre man sie bald leid. So lechzt man nach dem Release, und jeder Glatzkopf wünscht sich seine Matte zurück, um mit ‘ner Pulle Bier in der Hand abzumoschen! Die Band ist eine Dampfmaschine allererster Güte. Ich höre zwar nicht den Hit raus, aber das ist auch nicht nötig. Sie werden die neuen Songs live zwischen den Evergreens gut platzieren, und im Laufe der Jahre wird man seine Hits erkennen und lieben. AC/DC machen glücklich und Durst! Let There Be Rock! Stefan"
Diese Band spaltet. Hier: "Die machen seit 30 Jahren dasselbe Album." Da: "Das stimmt nicht, weil es zwei Bands sind." AC/DC haben nach dem Comeback mit Bruce Fairbairn 1990 ("The Razors Edge"), weiteren Rettungsversuchen von Rick Rubin ("Ballbreaker", 1995) und ihrem Bruder George Young ("Stiff Upper Lip", 2000) endlich den Fokus verlagert. Es bluest, es groovt, es kreischt wie lange nicht mehr. Nach Jahren der Gitarrendominanz regieren jetzt Bass und Schlagzeug. Noch nie standen Cliff Williams und Phil Rudd so sehr vorne, sie bekommen endlich die Anerkennung, die der tightesten Rhythmusgruppe im Rock seit Langem verweigert wird (vergesst die beiden Typen von Rage Against The Machine, die haben kein Gefühl, das sind nur gute Techniker!). Genau diese Art von Bumsrock hätten sie auch mit Bon Scott gemacht. Mit besseren Texten. Manchmal tut es in den Ohren weh, welche Banalitäten sich die Young-Brüder wieder aus den Raucherfingern gesogen haben (wie oft kommt Rock in den Titeln vor?). Zu ihrer Verteidigung sei ein Zitat eines großen englischen Shouters jenseits der 60 angebracht: "Beim Rock’n’Roll kommt es nur darauf an, dass sich die erste beschissene Textzeile auf die nächste reimt." Der Mann heißt Brian Johnson und ist immer noch der "Neue". Daran wird auch diese seine beste Gesangsleistung seit "Back In Black" nichts ändern.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 8.2/12

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