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0 Autor: Sascha Krüger // Nils Klein

The Killers - Day And Age

Day And Age

4-Ohren-Test

Ist es die Spitze des 80er-Plastikpop-Eisbergs oder erst sein Anfang? Das wird die Zeit zeigen. Erstaunlich daran ist zunächst, wie gut es funktioniert, trotz Cheesiness. Denn ja: Cheesy ist das dritte Killers-Album. Mit brutalem Vorsatz: Es soll so klingen, rollen und reinlaufen wie die glattesten Produktionen der Neonröhren-Ära. Ein Grenzgang, fürwahr. Ein gefährlicher obendrein, denn gerade in derart seichten Gewässern kann man schnell absaufen. Dass dies den Killers nicht passiert, hat zwei Gründe: Zum einen können sie Popsongs klarster Kajüte schreiben – siehe die Erfolgssingle „Mr. Brightside“. Deren Produzent, der nun das ganze Album betreut, ist Grund Nummer zwei: Stuart Price, früher bekannt als Jacques Lu Cont, ideeller Vater hinter Zoot Woman und Produzent von Madonnas „Confessions On A Dancefloor“. Was belegt: Der Mann kennt sich aus im schwülstigen 80er-Popsound, ohne ihn wäre dieses Experiment vermutlich völlig schief gegangen. So bleiben: einige nett-verzichtbare Liedchen, aber auch eine gekonnte, stimmige Wiederbelebung einer Popzeit, die in ihrer Künstlichkeit schon immer spaltete – entweder mag man so was oder nicht. Genau so verhält es sich hier: Kotzen oder Kopfnicken. Noch weiter dürfen The Killers in ihrer Popwerdung nicht gehen, sonst wird’s ganz schlimm. Dies hier geht aber noch gut als überwiegend gelungener Versuch durch, der Musik ihrer eigenen Kindheit ein Denkmal zu setzen.
7/12 Sascha Krüger

Willkommen auf der Kirmes. Dort, wo die Lichter grell blinken und man sich nach zu viel Achterbahn die Zuckerwatte durch den Kopf gehen lässt. The Killers sind jetzt Kirmes. Hinter jeder Ecke haben Brandon Flowers und Co. einen Eimer Konfetti versteckt. Wenn das nicht lustig ist. Sie haben jetzt Steel-Drums, sie haben Bums-Beats, wie die Single „Human“ beweist, sie haben schmierige Keyboard-Sounds. Das alles ergibt ein großes Fass voller Quatsch mit Sauce einer Band, die sich von „Mr. Brightside“ zu Mr. Siegfried & Roy entwickelt hat. Nur noch Blendwerk, nur noch Show – sie wollen alles sein: Pink Floyd, Andrew Lloyd Webber, Jean-Michel Jarre, Genesis, Wolfgang Petry. Wer sagen möchte, dass sie das, was sie jetzt machen, durchaus gut machen – wer will denn wirklich Applaus für solch ein Konglomerat der Unfassbarkeiten anstimmen? Ja, auch auf „Hot Fuss“ wurde geklaut, auf „Sam’s Town“ kopiert. Aber da hantierte man noch mit gesundem Augenmaß, „Somebody Told Me“ oder „When You Were Young“ waren zwar auch in heißem Pathos gebadet, doch sie funktionierten einfach. Aber trotz aller Schmährufe, auch diese CD wird durchaus Abnehmer finden, nur heißen die jetzt Ausdruckstänzer, Disco-Fox-Lehrer, 99-Cent-Discos. Und nicht mehr Indie-DJs, Geheimtippweitergeber, Szenewächter. Wer sich freiwillig zur neuen Zielgruppe rechnen möchte, willkommen im Abenteuerland. Das hier raubt dir den Verstand. Nächste Runde rückwärts. Gekotzt wird später. Garantiert.
3/12 Nils Klein

Leserbewertung: 6.5/12

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