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0 Autor: Carsten Schumacher

Art Brut - It`s A Bit Complicated

It`s A Bit Complicated

Ist der Witz ein zweites Mal zu erzählen? Art Brut haben es sich mit ihrem Debüt wirklich schwer gemacht, keine Frage.

Sie bleiben bei der Formel, sie brühen ihr Konzept ein zweites Mal auf. Ja, das war schon auf dem ersten Album Eddie Argos Singstimme und keine Ironie, und deswegen hat er jetzt auch nicht plötzlich angefangen zu knödeln, zu brüllen, zu hauchen oder zu grunzen. Er tut, was er kann: Schwänke aus seinem Leben erzählen, und zwar so, dass man ihn auch jenseits des Kanals versteht. Nicht wegen der Aussprache, wegen des kleinsten gemeinsamen Nenners (ein Super-Prinzip, der Inbegriff von Pop). Die meisten nehmen Liebe, Liebeskummer, Sex oder Einsamkeit. Eddie nimmt die Popmusik selbst, die Besessenheit von ihr. Er singt über die Unart, selbst in der Liebe nicht abschalten zu können und jedes Mädchen zu vergessen, wenn im Radio der Song kommt, den er einfach lauter machen muss. Oder dass er sein Deutsch von einer Seven-Inch gelernt hat. Oder dass man alles andere vergessen soll und sofort auf die Tanzfläche soll, weil der Song ein Instanthit ist. Oder dass "river deep and mountain so high" (aus "Hymn" von Barclay James Harvest) zu jenen Texten gehört, auf die man sein Leben nicht klarkommen werden wird. Das funktioniert auch, das ist immer wieder prima für die Verbrüderung zwischen Band und Zuhörer (sofern er sich zumindest als ähnlich manisch definiert). Auch der Wechsel an der Gitarre hat sich – zumindest auf Platte – nicht so schlimm ausgewirkt wie befürchtet, im Gegenteil. Trotzdem verfolgen Art Brut ein Rezept, das sie einschränkt, das sie vorhersehbar macht. Dazu kommt, dass die Slogans auf "Bang Bang Rock & Roll" einfach besser klebenblieben, dass der Novelty-Faktor, die Lust, daraus zu zitieren, auch größer war. Das war schon bei den Songs, die sie vorab live gespielt haben, zu erahnen, und das hat sich nun bestätigt. Die Endorphine sind raus. Aus der heißen Liebe zwischen Art Brut und uns wurde Alltag, aber so ist das nun mal mit uns Nerds: Der größte Glücksmoment liegt immer im ersten Kennenlernen, die ersten Platten werden immer die liebsten bleiben.

Bewertung: 7/12
Leserbewertung: 6.7/12

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