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0 Autor: Philipp Welsing

Grinderman - Grinderman

Grinderman

Sehr gut: Cave spinnt wieder hemmungslos herum und singt von verkehrten Menschen. Ein kleine Birthday Party ohne den ganzen Punk, aber mit ähnlichem Dröhneffekt.

Cave ist ein Erzähler. Übernahm bei seinen letzten Alben mit den Bad Seeds öfters die Musik die Sprecherrolle, wischt der Meister, der eigentlich ein dunkler war und hier wieder ist, hier allen Pomp beiseite. Damit er wieder selbst erzählen kann. Platz lässt Cave für verzerrtes Bassgewummer, minimierte Drums ganz hinten im Raum und die Gitarrenkakophonien, die "Red Right Hand" erst richtig schön machten. "No Pussy Blues", die Single, ist da ein ganz herrliches Beispiel. "Electric Alice" wankt besoffen zwischen disharmonischen Geigen und völlig fertiger Orgelei herum, der "Grinderman" kauert sich zwischen Industrial-Akustik-Gitarren zusammen. Solche Sätze entstehen, wenn Worte nicht ausreichen, um eine Stimmung zu beschreiben, die sexy ist und anders als der Rest und so zeigt, was aus den Doors vielleicht hätte werden können. Ein bisschen mehr Neubauten. Mit ein paar gespenstischen Chören, richtig eingesetzter elektrischer Bouzouki und schrengeliger Vielsaiten-Fendocaster. Wer sich zu "Henry's Dream" von Cave verabschieden musste, findet hier wieder Futter der alten Schule, das richtig lecker nach Schießpulver, Lagerhallenschimmel, Staub und Blut schmeckt. Dafür sorgen neben Cave die Bad Seeds Sclavunos, Ellis und Casey. "Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus" schrieben sie zu viert in Paris, Grinderman, der schindende Mann, ist nun eine eigene Band. Ein feiner kleiner Alt-Cave-Schunkelhit mittendrin: "(I Don't Need You To) Set Me Free"; bei "Honey Bee" gibt's eine kleine Hommage an "Human Fly" der Cramps. Und ganz zu Anfang wird es gesagt: "He got some words of wisdom!" Und wie er die noch hat.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 7.0/12

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