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0 Autor: Peter Hesse

Nick Cave & The Bad Seeds - Henry's Dream (Platten der Neunziger)

Henry's Dream (Platten der Neunziger)
  • VÖ: 24.07.1992
  • Label: Mute
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 82 - Schönheit der Ausgabe

Großer Leinwand-Blues im melancholischen Schwarz-Weiß Format.

Waren die Bad Seeds in den 80ern der Inbegriff von Underground, so hat sich Nick Cave in den 90ern stringent und authentisch zum - wie es im Plattenfirmenjargon immer so schön heißt - kredibilen Mega-Act gemausert. Und die Puste reicht bis heute, um immer noch künstlerisch wertvolle und vor allem musikalisch interessante Alben auf den Markt zu werfen. Das können wirklich nur ganz wenige Musiker von sich behaupten. Die Cave’sche Melange ist wie immer angerührt aus den probaten Zutaten Gospel, Country, Blues, 60s-Vegas-Schlager und Folk-Musik amerikanischer Prägung. Mit den treuen und stetigen Wegbegleitern Thomas Wydler an den Drums, Blixa Bargeld an Gitarre und Background-Gesang sowie dem Multiinstrumentalisten und Vorzeige-Genie Mick Harvey hat er ebenfalls großartige Könner an den Start gebracht, die in der gesamten Bad Seeds-Laufbahn von 1983 bis heute noch kein wirklich minderwertiges Album abgeliefert haben. Und dazu kamen die unbestrittenen lyrischen Qualitäten von Nick Cave: Selbst sein Prosa-Werk "And The Ass Saw The Angel" wurde im "Literarischen Quartett" unter die Lupe genommen, mit dem Effekt, dass selbst ein Helmut Karasek das Buch gar nicht mal so übel fand. Wenn man zu dieser Tatsache mal ein Live-Bootleg von Cave’s früherer Combo Birthday Party quer hört, erscheint das allerdings mehr als grotesk. "Henry’ s Dream" besticht einmal mehr durch den vielschichtigen Raumklang, der wie fast immer von Tony Cohen gezaubert wurde, Caves bevorzugtem Soundmann seit den späten 70er Jahren. Durch die Songs weht wie eigentlich immer eine angenehm luftige Melancholie, die so behaglich wie Altersweisheit und frisch wie ein kühler Frühlingswind weht. Bitte im nächsten Jahrtausend umgehend so weitermachen und auf meine Hochzeit mit Naomi Campell im Jahre 2012 kommen, um ein Ständchen zu spielen.

Leserbewertung: 10.3/12

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