Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Dennis Plauk

Sparta - Threes

Threes

Bisher waren SPARTA-Alben: eine tolle Single und zwei bis vier tolle Nicht-Singles inmitten nicht so toller Nicht-Singles. Jetzt sucht man die Aussetzer vergeblich. Die Band, die klinisch tot war, vollführt ein düster-kraftvolles Kunststück von Quasi-Comeback-Album.

Wenige Tage vor der Veröffentlichung ihres dritten Albums gaben Sparta ein Konzert an der Ostküste. Jim Ward erinnert sich im Interview nicht mehr, bei welchem Song, doch "plötzlich stieg dieser Typ aus dem Publikum auf die Bühne. Ich habe ihn nicht bemerkt. Es war ein sehr dunkler Club; alles was ich sah, war dieses Gesicht, das auf einmal neben mir auftauchte, ans Mikro drängte und mit mir singen wollte. Ich bin panisch zurückgesprungen. Zum Glück hat Matt ihn – Bong! – mit dem Bass von der Bühne gestoßen. Wir haben uns später bei ihm entschuldigt. Der arme Kerl... Weißt du, wir nehmen uns sehr ernst da oben. Die Bühne, das ist mein Privatgelände, wenn wir spielen. Nichts, was ich teilen würde. Ich dulde keinen dort außer der Band." Sparta, die Unnahbaren. Die Eigenbrötler und Bühneneremiten. Jetzt haben sie wieder ein Album gemacht, und Häuptling Ward gibt solche Anekdoten dazu preis. Da fragt man sich schon, ob sie denn überhaupt umschalten konnten. Von Reserviertheit live zu Unmittelbarkeit auf Platte. Oder ob sich auch ihre Platten als "Privatgelände" verstehen. Wie intim – und trotzdem zugänglich – ist dieses neue Album? Nun, es lässt sich die Antwort nicht gerade aus der Nase ziehen, es zieht dich sofort in sich hinein. Intimer und zugänglicher als alles, was vorher von Sparta kam. Überhaupt intimer und zugänglicher als vieles, was sonst unter "Rock mit Hang zu Emo und Posthardcore" einsortiert wird. Und sogar so intim und zugänglich, dass Sparta es nicht länger nur mit ihren US-Hörern teilen müssten. Denn das ist der einzige Haken an der Platte, ein ziemlich außeramerikanischer Haken: Sie ist ein Import. Was wiederum ein Übel ist, das es schleunigst zu tilgen gilt. Aber wir wollen diese Rezension nicht mit einem Plädoyer verwechseln. Und auch nicht mit einem Brandbrief ans Sparta-Management, Betr. "Doofe Veröffentlichungspolitik". Die Platte ist, was sie ist: in erster Linie kein Produkt, bei dem man an Vertriebswege denkt. Sondern z.B. an ein Wunder. Immer dann, wenn sie ausbricht, links wie rechts rum. Wenn sie vor lauter Pianomoll zierlich (nicht zerbrechlich) wirkt, wo sich eben noch die Gitarren zum hitzigen Crescendo aufgetürmt haben, und umgekehrt, wo wahre Aggressionsstürme alle Feinheiten wegfegen. Lichtspiele, Lautspiele, Kraftspiele. Nimm die Wucht von "Cut Your Ribbon" (2002), nimm sie mal der Zartheit eines "Lines In Sand" (2004), nimm das Ganze meinetwegen auch noch mit dem besten Orgasmus mal, den du je hattest – und du bist noch nicht einmal nah dran. Das ist schönste Indieclubmusik fürs Stadion. Trotz allem. Denn Jim Ward sah diesen Wagen vor die Wand gefahren, Totalschaden, und er brauchte Monate, um bereit zu sein für einen letzten Versuch. Versuch wurde Vollzug, Vollzug wurde Triumph – und Ward zu einem besseren, gewandteren Sänger und Songwriter, der seine kleine Band nicht gleich nach dem Ebenbild Gottes formte, aber zum kredibelsten Kompromiss aus Radiohead, U2, Pink Floyd und At The Drive-In, der mir einfallen will. Apropos, da hätten wir den Salat: Erstmals in der 16-jährigen Geschichte dieses Magazins mussten sich The Mars Volta in der kollektiven Kritikergunst von Sparta geschlagen geben, und das gleich um 28 Jahresbestenlistenplätze. Manchmal ist Musik eben doch das verflixt noch mal atemberaubendste Wettrennen, das es geben kann. Was sind wir stolz auf euch.

Leserbewertung: 10.2/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.