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0 Autor: Falk Albrecht

Ministry - Psalm 69 (Platten der Neunziger)

Psalm 69 (Platten der Neunziger)

Mit diesem Album definierten Ministry den Begriff Industrial Metal für die Neunziger Jahre.

Ein wahrhaft derber Brocken, den Al Jourgensen und Paul Barker der Welt 1992 zum Fraß vorwarfen, aber keine Frage, das Publikum schluckte gern daran. Gleich der Opener "N.W.O." walzte einen mit der präzisen Erbarmungslosigkeit nieder, die man dem hier gesampleten Ex-US-Präsidenten George Bush zur Durchsetzung seiner Ziele nur allzu gern unterstellen mochte: "A New World Order". Ganz so hohe Ziele haben Ministry mit diesem Album vielleicht nicht erreicht, zumindest setzten sie aber neue Maßstäbe in Sachen eiskalt kalkulierter Härte. Dass "Psalm 69" dennoch nicht die Unterkühlung ausstrahlte, die man angesichts des Maschinenparks von Ministry erwarten konnte, ist in erster Linie wohl der karikaturhaften Überspitzung zu verdanken, die die Band hier oft praktiziert. Einige Songs galoppieren in geradezu aberwitzigem Tempo an einem vorbei, spätestens wenn sich im Titelstück bombastische Kirchenchöre und "Hallelujah"-Rufe mit scharfen Gitarrenriffs und Jourgensens metallischer Heiserkeit abwechseln, weiß man, dass auch bei Ministry nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Man darf also durchaus auch mal lächeln, selbst wenn einem dieses Lächeln angesichts des Noise-Infernos am Schluss des Albums auf den Lippen gefriert. Zwischendurch gönnt man sich aber eben doch immer wieder einen guten Spaß, etwa wenn man Butthole Surfers-Sänger Gibby Haines sturzbetrunken ins Studio schickt und den Zappelbuden-Klassiker "Jesus Built My Hotrod" von ihm einsingen lässt.

Leserbewertung: 9.9/12

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