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0 Autor: André Boße

The Mountain Goats - The Sunset Tree

The Sunset Tree

Der böse Stiefvater ist tot, lang leben die Bergziegen: John Darnielle singt in schlichter Schönheit tröstliche Lieder über seine dunkle Kindheit.

13 Alben hat John Darnielle unter dem Namen The Mountain Goats seit 1995 veröffentlicht. Wer zum Teufel soll sie alle hören, diese Songs über Amerika, die Liebe und die Menschen an sich? Dass unter dem Reigen mit "Sweden" eine Platte ist, die die schönsten Songs der Welt in der schlechtesten Produktion (ein Unwort in diesem Zusammenhang) kaschiert, hat man mittlerweile auch vergessen. Ist aber nicht schlimm, denn mit "The Sunset Tree" bietet uns Darnielle einen neuen Ansatzpunkt. Der getriebene Songschreiber singt zum ersten mal über sich und seine verhunzte Kindheit. Autobiografisches Zeug, in dessen Zentrum der böse Stiefvater (Trinker, Disziplin-Fetischist, Idiot) steht, der vor ein paar Jahren starb und für Darnielle erst mit dem Tod zum Thema wurde. Nun könnte man ein Klagelied erwarten, das einem jeden Frühjahrsmut aus dem Herzen jammert. Aber John Darnielle macht alles richtig und geht den anderen Weg: Er erinnert sich nicht nur an die Schmerzen, sondern auch an den Trost, den er zum Beispiel in der "Dance Music" fand. Ganz alleine mit Kopfhörer und ein paar Platten. Und beim zweiten Höhepunkt "This Year" geht es – schlicht bebildert und beängstigend treffend – ums schlichte Überleben in der Familien-Hölle. Die Songs klingen beschwingt und sind nett garniert mit leichtem Schlagzeug und flinkem Bass. Scheint fast, als hätte John Darnielle mit der 13. Platte seine Heimat gefunden: in einer Nische zwischen Bright Eyes und Magnetic Fields.

Bewertung: 9/12

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