Zur mobilen Seite wechseln
21.03.2014 | 11:46 4 Autor: Dennis Drögemüller RSS Feed

Kommentar: Frei.Wilds Echo-Absage ist weinerlich und berechnend

News 20433Frei.Wild sagen ihre Teilnahme am diesjährigen Echo ab - nach eigenen Angaben, weil sie sich durch den Ausschluss im vergangenen Jahr diskriminiert fühlen. Das ist weinerlich und berechnend, sagt VISIONS-Redakteur Dennis Drögemüller.

"Heuchlerisch, verlogen und eigentlich dem Untergang geweiht" nennt die Südtiroler Band Frei.Wild den Echo und seine Organisatoren in einem Statement, in dem die rechtspopulistischen Musiker gleichzeitig ihre Teilnahme an der diesjährigen ECHO-Verleihung absagen. Der Ausschluss von Frei.Wild im vergangenen Jahr sei diffamierend und gegen die Regeln des Musikpreises gewesen, die Band wolle die Auszeichnung ohne Wiedergutmachung nun nicht mehr.

Tatsächlich haben die ECHO-Macher Frei.Wild entgegen dem Reglement von ihrem Preis verbannt und auch sonst - selbst rund um den neu gegründeten Ethikrat und dessen Zulassung der Band in diesem Jahr - jede Chance vertan, mit den geistigen Brandstiftern souverän umzugehen. Abseits davon offenbart der Fall aber nur eines: wie routiniert und effektiv die Frei.Wild-Provokationsmaschine mittlerweile ihre Skandale vom Zaun bricht.

Heuchlerisch und verlogen sind hier schließlich einmal mehr Frei.Wild, die vordergründig die narzisstisch gekränkten Ehrenmänner geben, während im Hintergrund schon ihre Marketingmaschine brummt. In diesem Jahr hätte die Band die Anerkennung der deutschen Musikindustrie bekommen können. Dass sie diese ausschlägt, liegt nicht zuerst - aber auch - an ihrem Ego, sondern schlicht daran, dass mit der Ablehnung und dem Ekel des Mainstreams deutlich mehr Geld zu verdienen ist.

Denn nun können sich Frei.Wild erneut als die verfolgte Unschuld präsentieren, als die einzig aufrechten Wahrheitsverkünder inmitten einer rückgratlosen Mehrheit aus "Gutmenschen" und der im rechten Lager gern zitierten "Lügenpresse". Dass sie beide dabei immer wieder erfolgreich für ihre banale Vermarktungsmasche mit einspannen und auch dieser nötige Kommentar - denn das ist er, solange Zehntausende der Band ihre profitable Arschloch-Rolle in Form von Tonträgern und Konzerttickets abkaufen - unnötige Aufmerksamkeit auf die himmelschreiend beschissene Musik der Kombo lenkt, ist bittere Ironie.

Der dröhnenden Blut-und-Boden-Rhetorik der Frei.Wild-Songs steht im aktuellen Fall dabei wie gewohnt plötzlich eine erstaunlich weinerliche Opferrolle gegenüber: Trotz konstant großem Zuspruch von Fans gelingt es den Südtirolern auch hier noch, sich als unterdrückte Minderheit zu präsentieren. Mindestens in diesem Punkt unterscheiden sich Frei.Wild keinen Zentimeter von anderen rechten Vollidioten wie der NPD oder Thilo Sarrazin.

Dass die Musiker sich mit großem Getöse selbst vom ECHO verabschieden, hat übrigens auch einen pragmatischen Grund: Kaum jemand wollte der Band bisher den Gefallen tun und sich über ihre ECHO-Zulassung empören. Ohne die Wut der anderen aber drohen Frei.Wild sofort als das erkennbar zu werden, was sie eben sind: eine völlig egale, bestürzend unterdurchschnittliche Proll-Rock-Band.

Kommentare (3)

Avatar von Pech286 Pech286 22.03.2014 | 00:04

Hmm, ich möchte wirklich ungern eine Band wie Frei.Wild in Schutz nehemn, da ich kaum schlechtere Musik kenne und kaum etwas weniger gerne höre, als diesen Mist, aber letztes Jahr fordert ihr das Zurückziehen der Nominierung und dieses Jahr, wo sie wieder nominiert sind (WIESO?! Kritik wäre hier an die ECHO-Verantwortlichen zu richten, die offensichtlich geistig umnachtet sind, da sie die jetzt wieder nominieren.) einfach nicht hingehen. Also euch kann mans wirklich nicht recht machen! Ihr solltet die Penner gar nicht beachten, anstatt ihnen mit solchen Nachrichten und Gedanken noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Avatar von wilder rockerr wilder rockerr 28.03.2014 | 14:04

Auch wenn ich etwas spät dran bin , möchte ich doch kurz noch meinen Senf zum Thema abgeben ;-)

Frei.Wild ist ne ganz fürchterliche prollige und mittelmäßige Rockband (Dennis Drögemöller sagt es im letzten Abschnitt ganz richtig) , mir grauts vor deren Fans und die Band bzw. der Sänger ist mir in dem Interview, welches ich mal bei youtube gesehen habe, auch nicht ans Herz gewachsen.
Und letztlich: Davon, dass die Band und speziell ihre Anhänger besonders linksliberal eingestellt sind ("Nazis raus"-Rufe auf den Konzerten hin- oder her), bin ich auch alles andere als überzeugt.

Wenn in ihrem Statement zur Absage beim Echo reichlich Pathos mitschwingt (" Die Frei.Wild-Familie ist beschädigt worden") und man sich auch gerne zu morbide ausdrückt ("Der Echo ist dem Untergang geweiht"), so sehe ich die causa Frei.Wild/Echo doch differenziert:

Es offenbart schon einen augenscheinlichen Mangel an Haltung , als der "Echo" letztes Jahr auf äußeren Druck Frei.Wild von der Nominiertenliste gestrichen und ausgeladen hat.
Die Glaubwürdigkeit der Jury bzw. der Verantwortlichen ist in meinen Augen nicht ohne Schaden geblieben.

Die Macher hätten Rückgrat beweisen können.
Was viele nicht wissen: Frei.Wild waren bereits 2010 nominiert - damals gab es keinen Aufschrei, keine Kritik . Niemand, auch die Echo-Akadamie, hat öffentlich vernehmbar daran Anstoß genommen.

Das man die gleiche Band nun mit mit Argumenten auslädt, die damals genauso gut hätten gelten können (oder auch nicht), spricht nicht für die Haltung der Verantwortlichen. Vielmehr spricht es dafür, dass es letztlich kein Akt der Überzeugung, sondern eine Handlung aufgrund des öffentlichen Drucks war.

Man darf leicht überspitzt fragen : Welchen Wert hat dieser Preis dann noch ?

Dennis Drögemöller geht in seinem Kommentar ja auch kurz darauf ein.

Avatar von wilder rockerr wilder rockerr 28.03.2014 | 14:05

Forsetzung :


Aber okay, öffentlicher Druck ist ein starkes Schwert - ich kann nachzuvollziehen, dass man aus Gründen der Publicity und der Reputation Frei.Wild vor dir Tür wirft ,um die Veranstaltung nicht zu gefährden.

Standfestigkeit sieht jedoch zweifelsfrei anders aus.

Den Sinn oder Unsinn des neuen "Ethikrates" mag einem einleuchten oder nicht: Die Einstufung der Texte Frei.Wild`s als "unbedenklich" könnte und sollte man jedoch auch einmal zur Kenntnis nehmen.

Wäre dieser Rat zum gegenteiligen Ergebnis gekommen, wäre der Aufschrei hier und anderenorts sicher ein sehr großer gewesen.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass das Voitum des Ethikartes mal eben überlesen wurde. Passt halt nichts ins Bild.

Ein Kommentar ist per Definiton dazu da, seine persönliche Meinung kund zu tun. Wir sollten froh sein, dieses Recht ausüben zu dürfen.

Und doch kann ich Dennis Drögemöller nicht ganz folgen: Aus dem Statement der Band eine Mär zu stricken, die Absage wäre Teil einer cleveren Inszenierung, die Plattenverkäufe anzukurbeln und die Opferrolle lediglich ein leere Pose, die Grenzen zwischen der Band bzw. ihren Fans und der "Lügenpresse" und den "Gutmenschen", zwischen "Gut" und "böse" zu zementieren, erscheint mir zu weit hergeholt.

Mir erscheint es eher wie eine Dekliniation aller Vorurteile, die man jemals über die Band gehört hat.

Und das Name-Dropping der "NPD" gehört wohl heutzutage zum guten Ton, wenn es um Frei.Wild geht. Örks ^^ Ähnlich durchschaubar wie die schlechte Musik der Band.

Ich wünsche mir, dass die Fans der Band wie schlicht und dumpf die Musik ihrer Lieblingsband ist; dass ich hoffentlich nie auf einer Party lande, wo irgendeiner ne Platte von ihnen auflegt, und dass die VISIONS in Zukunft zwar mit heißem Herzen, aber auch mit kühlem Verstand, Frei.Wild betrachtet.

Meine Meinung zum Kommentar von Dennis Drögemöller.

Bitte einloggen, wenn du diese News kommentieren möchtest.