1 Autor: Christian Wiensgol

Hot Water Music - Light It Up

Light It Up

Von den alten Herren, Entschuldigung, Helden wird ja wohl niemand mehr innovative Sprünge erwarten. Da das geklärt wäre: "Light It Up" ist ein gelungenes Spätwerk.

Denn es setzt eine unwahrscheinliche Bandgeschichte würdig fort. Chris Wollard, Chuck Ragan, Jason Black und George Rebelo hatten Hot Water Music in den letzten 24 Jahren mehrmals aufgelöst, nur um jedes Mal mit einem gewachsenen Kultstatus konfrontiert zu werden. Natürlich völlig zu recht, da sind sich Fans, Kritiker und Nachahmer einig. Wenn einer Band im Spätherbst ein weiterer Popularitätsschub gegönnt ist, dann dieser. Dass alle vier mittlerweile in anderen Projekten involviert sind und nicht mehr jeder Tropfen Herzblut in das Paradebeispiel einer Herzblutband fließt, ist angesichts von "Light It Up" zu verkraften. Selbst wenn sie mit dem Konzept "Pflichterfüllung" ins Studio gegangen sein sollten, die Magie des Zusammenspiels, die dieses Quartett immer ausgemacht hat, war wieder dabei, am besten nachzuhören in "Vultures". Ähnlich wie auf dem sträflich missachteten letztjährigen Album von Wollards Band Ship Thieves, bellt er hier in Manier des frühen Hardcore, bis Ragan den Song schließlich mit Schmirgelpapier veredelt. Schneller und lauter wird es nur in Wollards 90-sekündigem Titelsong, der jedoch die Schwachstelle von "Light It Up" offenbart: Die untrennbar zum Bandsound gehörenden "Ohs" und "Ahs" tauchen so inflationär auf, dass den alten Reibeisen hier und da die Puste wegzubleiben scheint. Vielleicht liegt es daran, dass es keinen Produzenten gab. Andererseits klingt "Light It Up" dadurch angenehm wenig produziert, was den soften Punkrock-Hymnen von Ragan die nötigen Kanten gibt.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.6/12

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Kommentare (1)

Avatar von hotwater hotwater 09.10.2017 | 12:14

Ich bin voreingenommen, ich bin parteiisch, ich bin Fanboy .. alles klar .. aber das neue Album von Hot Water Music ist grandios.
Ich habe es jetzt zwei Abende hintereinander mit Kopfhörern genossen (von den drei, vier mal im Auto abgesehen) .. wie viele Hände braucht ein Mensch, um all die Luftgitarren zu spielen, den Bass zu bedienen, das Mikro anzubrüllen, die Fäuste zu recken, die Bierflaschen zu schwenken? Ich weiß es nicht. 35 Minuten und sieben Sekunden. Und ich bin tatsächlich nass geschwitzt, wie Chuck Ragan nach einem kompletten Konzert.
Das alles ist so gut, das alles ist so unerwartet gut.
Ich liege in der Ecke wie der Boxer nach dem Knockout, wie damals .. nach dem ersten Mal Zen Arkade von Hüsker Dü ...
Wenn Hot Water Music im Oktober nach fast 300 Ausgaben in der Visions ihre Titelstory, ihre historische Würdigung und ihre eigene CD Compilation bekommen, dann bedeutet das vor allem eins : GERECHTIGKEIT

(von meiner FB Seite am 14. Sept. 2017)

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