John Frusciante - The Empyrean
- VÖ: 23.01.2009
- Label: Record Collection
- Erschienen in: VISIONS Nr. 192
Kommentare (2)
SABOTAGE 26.01.2009 | 19:13
Ja, früher, es ist schon lange her, zu einer Zeit, in der es noch keine empirische Wissenschaft gab, da war auch das mystische, das religiöse Sein und Streben noch fester Bestandteil des Menschen und dessen gesellschaftlicher Normen. Das "Empyrion" war damals der höchste Punkt des Himmels und galt als Element des Feuers (oder Äthers (aristotelische Vier-Elemente-Lehre)). Im Christentum war es der Aufenthaltsort der Götter und der Seligen. Diese Grundidee eines "Platzes", an dem die "hohen Wesen" residieren, zieht sich auch durch die Kunst, vor allem die Literatur (z.B. Dantes "Divine Comedy", oder bei Stephen Lawhead).
Und jetzt nun bei John Frusciante? Der John Frusciante? Literatur und Religion? Klingt irgenwie abwegig, wenn man an die Chili Peppers denkt, oder? Ist es aber nicht, denn sein Solowerk ist durchzogen von religiösen Bildern und Metaphern. Und dennoch, und Gott sei Dank, macht er keinen christlichen Rock. Aber Sinn! Denn wie er seine Songs gestaltet und präsentiert, ist überzeugend und souverän. Wie man auch hören kann. Zum Beispiel im zäh vor sich hin improvisierten "Before the Beginning", in welchem er über einem klassischen Blueschema Melodien improvisiert und weiter entwickelt, bevor die Platte dann so richtig losgeht. Vielleicht ganz so wie der Schöpfer allen Seins zunächst ein wenig herumprobiert hat, bevor es dann losging mit der Schöpfung.
Im vierten Songs des Albums ("God") kommt jener dann auch mit Hilfe Frusciantes zu Wort. In jeder Hinsicht ein absolut großartiges Lied. Arrangement, Melodie, Intensität, Länge, ... alles ist stimmig und schlüssig.
Ich könnte jetzt noch ewig weiter schreiben, denn zu solch großartigem Werk fällt einem eben auch viel ein. Trotzdem schließe ich mit folgenden Worten: Kunst lebt zwar im Auge des Betrachters, doch sie bedarf auch der Beschäftigung mit ihr. Beschäftigt euch mit diesem Mann. Es lohnt sich!
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