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The Saddest Landscape After The Lights

VÖ: 17.02.2012 | Label: Topshelf/Soulfood
Text: Daniel Gerhardt
The Saddest Landscape - After The Lights

Furioses Screamo-Album von einer Band, die eigentlich schon so tot war wie ihr Genre. Sechs Jahre und 24 Minuten später sagen The Saddest Landscape “The future is ours”, und sie haben Recht damit.

Schlimm sind hier natürlich der Name und die hoffentlich vom Label angedichtete Mission, “kathartische Therapiesitzungen für dunkle und hoffnungslose Herzensangelegenheiten” anzubieten. Sonst gibt es aber nichts zu meckern: “After The Lights” ist das vierte Album von The Saddest Landscape aus Boston und das zweite nach vierjähriger Pause, eine selbstbewusste, körperliche, aggressive, schön kurze Platte, der es vor allem um Selbstvergewisserung zu gehen scheint.

Niemand erkennt hier neue Dinge, aber alles entspringt aus altbekannten, die wirklich und zu Recht wehtun, schon immer und für immer. Die Musik dazu nennen The Saddest Landscape Screamo, was okay und nicht zuletzt schlau ist, weil man leichter herausragt, wenn man sich nur mit Idioten umgibt. Tatsächlich steht “After The Lights” aber näher bei den Labelmates Pianos Become The Teeth als bei The Used, vor allem mit dem Zeitraffer-Postrock von Desperate Vespers, aber auch überhaupt und in jeder Sekunde, die ganz nah am Mikrofon aufgenommen wurde, und in der auch dann noch schmerzverzerrt weitergeschrien wird, wenn die Instrumente längst kaputtbenutzt sind. So theatralisch zu sein, ist also allein schon eine Leistung, die wahre Kunst von The Saddest Landscape liegt aber darin, jeden anderen Ansatz unvorstellbar zu machen.

Wenn “After The Lights” mit den größten Gesten die schlimmsten Ausgänge durchspielt, klingt das gar nicht so dramatisch, sondern schlicht angemessen, es geht nun mal um Krankenhäuser und Unheilbarkeit und ums Festklammern an Dingen und Leuten, die längst Geschichte sind. Also auch gut: dass Frontmann Andy Maddox zur quasi letztmöglichen Steigerung manchmal in ein hysterisches Wiehern verfällt, wie ein Screamo-Jack-White, der die eigene Unterlippe nicht mehr im Griff hat. Seine beste Performance gelingt ihm gleich zu Beginn im besten After The Lights-Song “In Love With The Sound”, einer ausgewogenen Szeneuntersuchung, die Romantik und Resignation in denselben vier Minuten unterkriegt. “We’ve got nights where the room came alive/ And reaffirmed our faith that this can change lives”, schreit er erst, dann aber auch: “I no longer believe that we are all in this together/ So you can keep your basements/ If it means we have to be better than our friends.” So viel Talent zur differenzierten Selbstbetrachtung hat den Hardcore 2011 stark gemacht. Bei The Saddest Landscape kommen eine musikalische und emotionale Härte dazu, die einen auch überwältigen würde, wenn nur stumpfe Parolen und Stiernacken dahinterstünden.

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