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    Starvin Hungry
    Cold Burns

    VÖ: 28.11.2008 | Label: Signed By Force/Cargo
    Text:
    Platte des Monats
    Starvin Hungry - Cold Burns

    Es gibt kein Entkommen. Gefangene erst recht nicht. Dieses Rock’n’Roll-Album aus Schweiß, Blut und noch mehr Blut hinterlässt einen verwirrt, verängstigt und fasziniert.

    Fast wäre uns dieses Album durch die Finger geglitten. Auf den letzten Drücker ins Rennen eingestiegen, brauchte es kaum einen halben Tag bis feststand: Dies soll, nein, muss es sein! Und dabei waren Starvin Hungry bisher noch niemandem wirklich ein Begriff. Anfang der 90er vom Zwillingspärchen John und Glen Milchem (Schlagzeuger bei Blue Rodeo, eine von Kanadas bekanntesten und erfolgreichsten Bands) in Toronto gegründet, verging bis zu ihrem Debütalbum fast ein ganzes Jahrzehnt. Überhaupt kam es nur dazu, weil John aus Liebeskummer nach Montreal zog und sich endlich drei Mitmusiker suchte, die ihre Finger nicht noch in drei anderen Projekten hatten. „Damnesty“ ist bis heute hierzulande nur über den Importweg erhältlich und somit denkbar wenigen ein Begriff. Umso leichteres Spiel hat nun das zweite und erstmals auch in Deutschland veröffentlichte Album „Cold Burns“, erwischt es einen doch unvorbereitet und ahnungslos direkt zwischen den Augen. Man tut sich ja immer schwer damit, von Infozetteln der Plattenfirma zu zitieren, wenn hier aber die Rede vom Erbe der Voidoids, Wire, den Wipers und den Stooges ist, wird der Nagel schon ziemlich auf den Kopf getroffen. Doch da ist mehr. Durch elf Songs krachen sich Starvin Hungry auf „Cold Burns“, die Becken sind groß und so laut, dass sie alles niederschmettern, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Gitarren sind nicht nur verzerrt, sondern von Verzerrung zerfressen. Als hätten sich The Bronx ein paar Tage in einer dreckigen Garage eingeschlossen und ausschließlich The Make Up gehört. Die Songs ziehen nach vorn, als säßen ihnen die Hot Snakes im Nacken, stolpern doch nie über ihre eigenen Füße und bleiben so verflucht tanzbar, dass man nicht umhin kommt, seine Gliedmaßen zu schütteln. Rocket From The Crypt kommen da auch als Vergleich in Frage. Aber Starvin Hungry kochen ihren eigenen Eintopf, das sind alles nur Eckdaten ihres Sounds. Wenn sich im fantastischen Opener „Ghost Witness“ die Stimme aus den Krachgitarren erhebt, man sie anfangs kaum von denen unterscheiden kann, und John Milchem klingt, als wäre Glenn Danzig bei den Sonics eingestiegen und er doch gar nicht so richtig gegen diese Wand aus Blech und sprödem Holz ankommt, dann bekommt man es schon ein bisschen mit der Angst zu tun. Mit der Art von Angst, mit der man als Kind einen Horrorfilm angeschaut hat und viel zu fasziniert war, um wegzusehen. Natürlich gibt es auch Ausschläge nach unten. „The Hammer“ wäre, hätten sie den Rhythmus ein wenig von der Leine gelassen (wie sie das so hervorragend in „Pink/Black“ machen), noch mitreißender geworden. „More.“ steht ihnen mit dem gezügelten Tempo nur halb so gut wie der Rest dieses Brockens von einer Platte. Das sollten sich aber nur Menschen zu Herzen nehmen, die gern auf hohem Niveau meckern. Denn wer den eindeutig besten Song des Albums ganz ans Ende stellt und in – für ihre Verhältnisse – unglaublich langen fünf Minuten alles vereint, was diese Platte so faszinierend macht, der muss niemandem etwas beweisen.