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    Shores
    Coup De Grace

    VÖ: 26.11.2010 | Label: No Idea/Flight 13
    Text: Maik Maerten
    Shores - Coup De Grace

    Wer richtig großen Psychedelic Rock machen will, muss rein zahlenmäßig eigentlich groß auffahren, um all der Instrumente Herr zu werden. Shores versuchen es mit White-Stripes-Besetzung.

    Nach dem Hören von Coup De Grace stellt sich schnell die Erkenntnis ein, dass es kein Bass-Gewummer und keine Orgelflächen braucht, um in die sphärischen Höhen der 70er-Jahre zu entschwinden. Die filigranen Gitarrenriffs und Melodien tragen den Hörer durch kurze und lange Songs, durch Melodien im Popformat und bedrohlich-sinistre Doom-Passagen. Das verbindende Element ist stets die spartanische Ausstattung der Stücke.

    Alles ist karg, befreit von jeglichem Ballast und unnötigen Spielerein. Brian Przybylskis oft zerbrechliche Stimme kämpft sich einsam durch stürmisch verzerrte Stoner-Gitarren und lässt sich im nächsten Moment von subtilen Harmonien davontragen. Effekte gibt es bis auf den minimal nötigen Verzerrer nicht. John Massels Schlagzeugspiel drängt sich nie in den Vordergrund, verleiht den Songs aber eine gewisse Kantigkeit und hallt durch die Leere zwischen den Noten wie eine fallende Coladose in einer leeren Lagerhalle. Was bleibt, ist das Wesentliche, ein Grundgerüst an Musik. Schon der schleppende Aufmacher macht keinen Hehl daraus, dass Shores die Antithese zum Bombastrock spielen. Fast von jedem Geschwindigkeitsgefühl befreit, gräbt sich Meanwhile mit intensivem Slowcore im Hinterstübchen ein. Das soll nicht heißen, dass Coup De Grace ein Trauerspiel wäre.

    In Robin schimmern sonnige Harmonien vorsichtig lächelnd zwischen dem trist-würdevollen Bretterwerk hindurch. Das großartige Roux kriegt es in drei Minuten hin, gleichzeitig nach überdrehtem Garagenrock und schlurfigem Shoegaze zu klingen und bringt damit zur Hälfte der Spielzeit den Tritt in den Hintern, den man nicht mehr erwartet hatte. Später ziehen Shores die Komplexitätsschraube ordentlich an. Engage schraubt sich in bester Postrock-Manier Stockwerk für Stockwerk nach oben, legt immer wieder Pausen ein, in denen die Zeit fast still steht, nur um mit ordentlich Anlauf die nächsten Stufen zu nehmen. Und Canned nimmt sich sieben Minuten Zeit für die Reise von minimalistischer Tonspielerei zu verschwurbelten Postrock-Weiten, die sich dann sogar über zwei Gitarrenspuren ausbreiten. Death From Above, die Japandroids und Winnebago Deal haben bewiesen, wie viel Krach man zu zweit auf einer Bühne machen kann, ohne die Musik aus den Augen zu verlieren. Shores nehmen sich lautstärkemäßig zwar meist zurück, ihre musikalische Präsenz verlieren sie aber auch in den ruhigeren Momenten von Coup De Grace nicht.
    Anspieltipps Robin | Roux | Canned

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    VÖ: 07.08.2012