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0 Autor: André Boße

My Bloody Valentine - Loveless (Essenzielles für die Sammlung)

Loveless (Essenzielles für die Sammlung)

Schon der Vorgänger "Isn't Anything" war brillant, doch erst mit "Loveless" vollendete Kevin Shields 1991 seinen Traum eines Manifestes der dröhnenden Gitarren und Zaubermelodien.

Um ein Haar hätte diese Platte Oasis verhindert. Shields war auf der Suche nach Perfektion, und das machte er gründlich: 24 Monate Studiozeit standen am Ende auf der Rechnung. Kosten von einer halben Million Pfund, die 'Creation'-Boss Alan McGee an den Rand des Ruins trieben. Nur ein paar Kröten blieben übrig, und die investierte McGee in ein paar Lads aus Manchester. Doch das ist eine andere Story. Die Geschichte von "Loveless" ist die vom teuersten Indie-Album aller Zeiten. Shields und seine Partnerin Bilinda Butcher schichteten Spur um Spur und erschufen dabei eine der atemlosesten Symbiosen der Popgeschichte. Der Opener "Only Shallow" beginnt mit einem Riff, als hätte man Black Sabbath Honig auf die Gitarrensaiten geträufelt, bevor uns der Engel Bilinda lasziv-hauchend ihre Träume verrät. Weitere Glanzstücke sind das schwebende "Blown A Wish" sowie der geerdete Dance-Bastard "Soon", der My Bloody Valentine sogar auf die Raves führte. Das Geheimnis des Albums liegt im Detail: in jeder einzigen Sucht-Melodie, in jedem bis dahin ungehörten Gitarren-Feedback, das durch Rückkopplungen mysteriöse Gegensongs erzeugt. "Loveless" ist auf wundersame Weise weder laut noch leise. Eine Platte wie ein riesiger Wattebausch: leicht aber undurchdringlich. Und wie alle wirklich großen Platten, ist sie beides: Meisterstück eines Genres und zugleich Aufbruch zu neuen Ufern. Alle, die sich fortan am Dream'n'Dröhn-Pop versuchten, haben dieses Werk in Endlosschleife gehört, um herauszufinden, wie Shields das gemacht hat. Der hatte hingegen längst neue Interessen formuliert, aber zu einem weiteren Wagnis mit My Bloody Valentine fehlte McGee die Geduld. Shields versank, tauchte ab und an als Gastmusiker bei Primal Scream oder Dinosaur Jr. oder mit dem Ambient-Projekt E.A.R. schemenhaft wieder auf, um erst 2003 mit drei Beiträgen zum "Lost In Translation"-Soundtrack die alte Magie zu beschwören.

Leserbewertung: 11.8/12

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