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0 Autor: Mario Lasar

Pavement - Crooked Rain, Crooked Rain (Platten der Neunziger)

Crooked Rain, Crooked Rain (Platten der Neunziger)
  • VÖ: 14.02.1994
  • Label: Matador/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 82 - Schönheit der Ausgabe

Dies war 1994 die Platte, die gegensätzlichste Positionen vereinte und eine Art Überbau der in diesem Sommer entfachten Diskussion zur Slacker-Kultur bildete.

Wenn Stephen Malkmus in "Range Life" mit unglaublicher Gelassenheit die Zeilen „Don't worry, we're in no hurry/ school's out, what did you expect" sang, fühlte man sich in der Entscheidung bestätigt, lieber im Bett zu bleiben als zur Vorlesung zu gehen. Der Sound des Albums balanciert auf brillante Weise zwischen einem folkigen Singer/Songwriter-Ansatz und eher Fall-artigen Ausbrüchen in kakophonische Passagen, wie es Pavement in dieser Perfektion bis heute nicht wieder gelungen ist. Zu einer Zeit erschienen, da Grunge in saturierter Formelhaftigkeit erstarrt war, zeigte "Crooked Rain..." einen Weg auf, Gitarrenmusik zu machen, die trotz Berufung auf die Rockgeschichte völlig neu und frisch klang. In den Texten schienen - gewollt oder nicht - jede Menge Kommentare zum musikalischen Zeitgeschehen untergebracht zu sein: „goodbye to the rock’n’roll era", sang Malkmus in dem epischen "Filmore Jive", und das wirkte in seiner Unmittelbarkeit wie ein dringend notwendiger Schlusstrich, der gleichzeitig das Startsignal für einen Neubeginn lieferte. Mit welcher gerechtfertigten Selbstverständlichkeit die mediokren Stone Temple Pilots als "foxy", also ausgefuchst, bezeichnet wurden, war so befreiend, eine unglaubliche Freude darüber, dass endlich mal jemand so etwas auf einer Platte sang. Hier wurde Abgrenzung betrieben, die Slackertum eher als soziale Opposition gegen die herrschenden Verhältnisse las denn als inhaltslose Apathie. Neben den Beastie Boys und Blur gab es 1994 kein Album, das ich öfter gehört habe als dieses - und auch beim jetzigen Wiederhören springt einen die Cleverness und der druckvolle Sound voller Wissen um das richtige Maß an Selbstbeschränkung unmittelbar an.

Leserbewertung: 9.6/12

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