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0 Autor: Melanie Schmidt

Snapcase - Lookinglasself (Platten der Neunziger)

Lookinglasself (Platten der Neunziger)

Die Vorreiter-Walze, die Hardcore den Weg ins jazzig-vertrackte Noise-Land ebnet - und dabei alles plättet.

Eigentlich macht es einem das Debütalbum nicht einfach, Snapcase zu mögen: Noch nicht einmal 26 Minuten schleichen sich mit einem extrem sperrigen, dünnen Sound aus den Boxen. Die Brillanz von jazzigen New School-Hits wie "Drain Me", "Incarnation" oder "No Bridge" erschließt sich erst während einer ihrer intensiven, energiegeladenen Shows. Dennoch fungiert "Lookinglasself" als absoluter Meilenstein im New School - schon allein, weil man sich angesichts der zurückhaltenden Veröffentlichungspolitik der Band glücklich schätzen darf, überhaupt ein Tondokument genießen zu dürfen. Schließlich zählen sie auch in dieser Hinsicht zu den unkommerziellsten und eigensinnigsten Vertretern der Hardcore-Szene. Doch gerade dieses Sperren gegen Konventionen macht die Faszination an ihnen aus, denn sowohl textlich als auch musikalisch beschreitet "Lookinglasself" neue Wege. Obwohl die Band aus konsequenten Straight Edgern besteht, werden dem Hörer keine Ideologien aufgezwungen, statt dessen sind die Texte abstrakt und minimalistisch gestaltet. Ihren besonderen Reiz ziehen sie jedoch aus den vertrackten und spielerisch anspruchsvollen, dabei jedoch stets bestens arrangierten und eingängigen Kompositionen, die übrigens nicht etwa bei anderen HC-Bands angelehnt, sondern stark von der Indie-Formation Drive Like Jehu beeinflusst sind. 1995 gab es keine andere HC-Band mit diesem Sound, so dass auch Kritiker dieser Band neidlos eingestehen, ihre eigene Nische geschaffen zu haben, die wahre Unmengen nachfolgender Bands produziert hat. Dass man das Original sofort an seinen exzellenten Songs erkennt, ist sicher der Grund für den szeneübergreifenden Erfolg der Band.

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