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0 Autor: Philipp Welsing

Bright Eyes - Digital Ash In A Digital Urn

Digital Ash In A Digital Urn
  • VÖ: 24.01.2005
  • Label: Saddle Creek/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 143 - Schönheit der Ausgabe

Der Name deutet es an: Conor Oberst peppt seine Bright Eyes digital auf. Und auch derart ausproduziert ist seine Musik von einzigartiger Tiefe und Schönheit.

Verhaltene Beats, unaufdringliche Synthie-Fills, nachträgliche elektronische Verfremdungen – das sind die Hauptunterschiede zum akustisch-folkigen Bruder "I'm Wide Awake, It's Morning". So leichtfüßig und treffsicher wie Obersts Songschreibe anmutet, so sind auch diese eher neuen Zutaten ins Bright-Eyes-Bild geflochten, als hätte es sie schon immer gegeben. Wie Oberst das schafft? Man weiß es nicht. Aber man darf es bewundern. Mit "Arc Of Time" und "I Believe In Symmetry" stürmt er nach vorn, Beats und echte Drums im Wechsel. Setzt auf Breitband-Atmosphäre bei "Take It Easy (Love Nothing)" oder im wunderschönen "Gold Mine Gutted". "And from the sidelines you see me run/ until I'm out of breath/ living the good life I left for dead/ the sorrowful midwest/ but I did my best/ to keep my head", singt Oberst, und wem's da nicht quer über den Rücken schauert, der kann nicht am Leben sein. "Light Pollution" überrascht mit E-Gitarre und flockigem Groove, bis der Refrain wieder offenlegt, mit wem wir es hier zu tun haben. Hier und jetzt ist längst nicht alles im Grünen, aber bei allem Schmutz, bei aller Verlogenheit der Oberst'schen Umwelt scheint in beinahe jedem Song die Hoffnung durch, dass alles besser wird. Man solle nur auf sich selbst vertrauen, meint man ihn sagen hören. Gebeutelt, aber gestärkt, so erscheint Oberst auf einem der beiden Alben nach "Lifted". Ja, er macht gar anderen Hoffnung, wiederholt ein ums andere Mal die Beschwörung "don't you weep" im abschließenden Fünfeinhalbminüter "Easy/Lucky/Free". Das macht er gut, das mit dem guten Zusprechen. "Down In A Rabbit Hole" schließlich ist so etwas wie die Quintessenz der neuen Bright Eyes. Ein Song, der auch im "Lifted"-Umfeld bestanden hätte, mit eingestreuten Elektro-Beats, breiten Streichern, lyrischer Verzweiflung und Erleichterung. Einfach betörend. Ein detailvernarrtes, großes Stück Musik von einem jungen Genius, der sein Können noch immer auslotet.

Leserbewertung: 8.8/12

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